Marbella modernisiert 15 Baunormen für Investoren

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Marbella

Marbella modernisiert 15 Baunormen für Investoren

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Historischer Schritt in der Stadtplanung

Die Lokalregierung von Marbella hat in ihrer jüngsten Sitzung ein weitreichendes Maßnahmenbündel gebilligt, das insgesamt 15 städtebauliche Regelwerke grundlegend überarbeitet. Wie Bürgermeisterin Ángeles Muñoz betonte, zielt das Paket darauf ab, die veralteten Bestimmungen aus dem Jahr 1986 zu ersetzen und die südspanische Stadt für moderne Wirtschaftszweige attraktiver zu machen. Die neuen Richtlinien sollen nach aktuellen Planungen im Jahr 2027 in Kraft treten.

Laut Muñoz handelt es sich um eines der ambitioniertesten Vorhaben dieser Art in der Geschichte der Gemeinde. Die Anpassungen betreffen vor allem Industrie-, Handels- und Hotelbereiche sowie öffentliche Einrichtungen. Ziel sei es, bürokratische Hürden abzubauen und gleichzeitig die wirtschaftliche Dynamik zu erhöhen.

Mehr Flexibilität für Industrie und Gewerbe

Ein Schwerpunkt der Reform liegt auf der Modernisierung der Industriegebiete. Künftig sollen in den Gewerbeparks deutlich mehr Nutzungsarten erlaubt sein. Unternehmen dürfen mit den neuen Regeln Zwischenebenen einbauen oder Kellergeschosse und Dachflächen für betriebliche Zwecke nutzen, ohne dass sich die zulässige Gesamtgebäudefläche zwingend erhöht.

Besonders bemerkenswert ist die Anhebung der maximalen Bauhöhe für Logistikhallen. Diese darf nach der Novelle von bisher zehn auf künftig 14 Meter steigen, um den Anforderungen moderner Lager- und Umschlagtechnik gerecht zu werden. Zusätzlich öffnet die Stadt die Türen für eine stärkere Durchmischung der Nutzungen in den Industriezonen – unter anderem sollen dort unter bestimmten Voraussetzungen auch touristische Einrichtungen entstehen können.

Auch im Einzelhandel ergeben sich neue Perspektiven. So ist es künftig möglich, Kellergeschosse als Verkaufsfläche zu nutzen oder bestehende Immobilien leichter umzubauen und zu erweitern. Die Stadtverwaltung reagiert damit nach eigenen Angaben auf konkrete Anfragen aus der Geschäftswelt, die sich in den vergangenen Monaten für weniger Restriktionen eingesetzt hatte.

Impulse für Hotellerie und Altstadt

Für die Hotellerie sieht das Paket ebenfalls spürbare Verbesserungen vor. Betreiber dürfen bei bestimmten Projekten die nutzbare Fläche um bis zu zehn Prozent erhöhen. Zudem besteht die Möglichkeit, unter bestimmten Auflagen ein zusätzliches Stockwerk zu errichten und Dach- oder Kellerräume stärker zu erschließen. Damit knüpft die Kommune an ein regionales Gesetz aus dem Jahr 2021 an, das nach der Pandemie wieder auslief. Marbella habe dieses Modell bereits damals genutzt und wolle nun die bewährten Instrumente dauerhaft im eigenen Regelwerk verankern, so die Rathauschefin.

Große Aufmerksamkeit dürfte allerdings die Änderung bei den historischen Zentren erregen. Um die Sanierung alter Gebäude wirtschaftlicher zu gestalten, erlaubt die Stadt in bestimmten Zonen höhere Baukanten. Im Stadtteil San Pedro Alcántara darf im Bereich C2 künftig ein Geschoss mehr gebaut werden – nämlich Erdgeschoss plus zwei Etagen, optional ergänzt um ein Attikageschoss. In Marbella selbst gilt eine ähnliche Lockerung für Teile des Areals C1, wobei Straßen mit besonders schützenswerter Bausubstanz oder engen Proportionen ausgenommen bleiben.

Bürgermeisterin Muñoz erklärte, das Ziel sei es, Investitionen in die oft vernachlässigten Altstadtviertel zu lenken. Nur wenn sich Renovierungen rechneten, könnten Eigentümer zum Erhalt des historischen Erbes beitragen, ohne auf staatliche Zuschüsse angewiesen zu sein.

Parken unter privaten Grünflächen

Ergänzend sieht die Reform eine Ausweitung der sogenannten Ausstattungsnutzungen vor. Kulturelle, touristische und sportliche Einrichtungen sollen leichter errichtet oder vergrößert werden können, wobei die erlaubte Bebauungsdichte in diesem Segment von 20 auf 30 Prozent ansteigt.

Darüber hinaus gestattet die neue Satzung den Bau unterirdischer Parkhäuser unter privaten Grünanlagen. Bislang war diese Möglichkeit ausschließlich öffentlichen Flächen vorbehalten. Wie die „Diario Sur“ berichtet, erhofft sich das Rathaus davon eine deutliche Entlastung der angespannten Parksituation, ohne zusätzliche Flächen im Freien zu versiegeln.

Die Opposition zeigt sich hingegen skeptisch. Kritiker befürchten, dass die gelockerten Bauvorschriften langfristig zu einer Zersiedelung oder einer Beeinträchtigung des Stadtbilds führen könnten. Die Stadtverwaltung verweist demgegenüber auf die laufende Neuaufstellung des Flächennutzungsplans, in deren Rahmen die Änderungen ohnehin überprüft würden. Man gehe deshalb kein Risiko ein, sondern schaffe lediglich Übergangslösungen bis zur Finalisierung des neuen Planungswerks.


Quelle: diariosur.es

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