
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Marbella modernisiert 15 Baunormen
Die Stadt Marbella will ihre veralteten Bauvorschriften grundlegend überarbeiten. Der lokale Regierungsrat hat ein umfangreiches Maßnahmenpaket gebilligt, das die Anpassung von 15 städtebaulichen Normen vorsieht, wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet. Die Änderungen sollen den Weg für eine neue Generation von Projekten ebnen und die Wirtschaft der Küstenstadt ankurbeln.
Abschied von den Regeln von 1986
Die Stadtverwaltung reagiert damit auf den Reformstau der vergangenen Jahrzehnte. Viele der aktuellen Bestimmungen stammen noch aus dem Generalplan von 1986 und gelten laut Bürgermeisterin Ángeles Muñoz als Hemmschuh für die wirtschaftliche Entwicklung. „Wenn wir als Stadt wettbewerbsfähig bleiben wollen, brauchen wir eine Norm, die auch einfach anzuwenden ist“, wird Muñoz in der Mitteilung zitiert. Die Novelle soll parallel zum laufenden Verfahren für einen neuen Flächennutzungsplan wirken, dessen Inkrafttreten für 2027 angepeilt wird. Bis dahin sollen die neuen Regeln bereits praktikable Lösungen für Unternehmen, Hoteliers und Eigentümer bieten.
Mehr Flexibilität für Industrie und Gewerbe
Ein Kernstück der Reform betrifft die Industriegebiete. Die Stadt will die zulässigen Nutzungsarten erweitern und es Betrieben erleichtern, ihre Anlagen umzubauen oder zu erweitern. Konkret sollen etwa Zwischengeschosse eingezogen sowie Kellergeschosse oder Dachflächen für betriebliche Zwecke genutzt werden dürfen, ohne dass sich die zulässige Gesamtgeschossfläche zwangsläufig erhöht. Zudem ist geplant, die maximale Höhe für bestimmte Logistikhallen von zehn auf vierzehn Meter anzuheben, um den Anforderungen moderner Lager- und Umschlagsbetriebe gerecht zu werden. In den Gewerbegebieten wird zudem eine stärkere Durchmischung angestrebt, wobei unter bestimmten Auflagen auch touristische Angebote entstehen könnten.
Auch im Handel sorgt die Neuregelung für Bewegung: Untergeschosse sollen künftig für kommerzielle Zwecke nutzbar sein, und bestehende Ladenflächen sollen sich leichter an veränderte Geschäftsmodelle anpassen lassen. Die Verwaltung erhofft sich davon eine höhere Attraktivität der Gewerbegebiete für Neuansiedlungen.
Impulse für Hotellerie und Altstadt
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Tourismussektor. Die Stadt knüpft damit an eine regionale Regelung aus dem Jahr 2021 an, die damals pandemiebedingt Investitionen in Hotels erleichtern sollte. Nachdem diese Vorgaben ausliefen, will Marbella die Eckpunkte nun in eigener Regie übernehmen. Geplant ist, bei bestimmten Projekten die Geschossfläche um bis zu zehn Prozent zu erhöhen und unter bestimmten Bedingungen den Bau einer zusätzlichen Etage zu erlauben. Auch Dach- und Kellergeschosse sollen sich besser nutzen lassen, um die Modernisierung und die Aufwertung von bestehenden Hotels zu fördern.
Handlungsbedarf sieht die Stadt auch in den historischen Zentren von Marbella und San Pedro Alcántara. Hier sollen Gebäude in bestimmten Zonen um ein weiteres Stockwerk wachsen dürfen. In San Pedro betrifft dies den Bereich C2, wo künftig Erdgeschoss plus zwei Obergeschosse möglich wären, optional mit einem zurückgesetzten Dachgeschoss. In Marbella gilt eine ähnliche Regelung für Teile des Bereichs C1, wobei besonders schützenswerte Straßen und Plätze ausgenommen bleiben. Das Ziel ist, die Sanierung alter Bausubstanz wirtschaftlich rentabler zu machen und so Investitionen in den oft vernachlässigten Altstadtquartieren anzuregen. „Wir wollen, dass sich die Investition lohnt und tatsächlich umgesetzt wird“, betont die Bürgermeisterin.
Ausbau öffentlicher Einrichtungen
Neben der Wirtschaft will die Reform auch den öffentlichen Raum stärken. So ist vorgesehen, die zulässige Fläche für ergänzende Nutzungen in öffentlichen Grünanlagen von zwanzig auf dreißig Prozent zu erhöhen. Damit sollen mehr kulturelle, sportliche oder touristische Einrichtungen in den Parks und Grünzügen der Stadt entstehen können, um das Angebot für Bevölkerung und Besucher zu verbessern.
Quelle: europapress.es