
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Marbella belebt das Erbe der Zuckerrohr-Ära
Ein Denkmal erzählt Geschichte neu
Marbella hat einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur kulturellen Wiederbelebung seiner industriellen Vergangenheit erreicht. Mit dem Abschluss der Sanierungsarbeiten am Trapiche del Prado steht nun die letzte Etappe bevor: die Umwandlung der historischen Zuckerrohrfabrik in ein Museum, das Besuchern die faszinierende Ära der vorindustriellen Zuckerherstellung näherbringt. Die Stadtverwaltung hat mit der Ausschreibung der Ausstattungsarbeiten für rund 233.000 Euro offiziell den Weg für das ehrgeizige Projekt geebnet.
Vom Kolonialgut zum Kulturzentrum
Der Trapiche del Prado, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1644 zurückreichen, war über drei Jahrhunderte ein Zentrum der Zuckerproduktion. Hier wurde das Zuckerrohr durch Mühlen gepresst, der Saft in großen Töpfen gekocht und schließlich zu raffiniertem Zucker verarbeitet – ein Prozess, der die Region einst wirtschaftlich prägte. Das Gebäude, das heute als Kulturgut von besonderem Wert gilt, hat die Jahrhunderte nahezu unversehrt überstanden und gilt als eines der eindrucksvollsten Zeugnisse dieser Epoche in ganz Andalusien.
Das Konzept des neuen Museums, das auf einem Entwurf des Architekturbüros NTL Studio basiert, sieht ein umfassendes Besuchererlebnis vor. Der Fokus liegt darauf, den gesamten Produktionsprozess vom Anbau bis zur Verarbeitung anschaulich zu vermitteln. Das modern ausgestattete Zentrum wird mit historischen Möbeln, beleuchteten Vitrinen und interaktiven Elementen aufwarten. Ein besonderes Highlight stellt ein Videowall mit vier 65-Zoll-Screens dar, das über Sensoren gesteuert wird und den Besuchern die Geschichte des Anwesens näherbringen soll.
Ein Ort der Begegnung
Die Geschichte des Anwesens ist eng mit verschiedenen Epochen und Besitzern verbunden. Nach seiner Gründung durch Mateo Marco und Gaspar Pompes ging die Anlage 1720 in den Besitz der Inquisition von Granada über, die sie verpachtete und die Produktionskapazitäten erweiterte. Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Zuckerherstellung unrentabel wurde, stellte der neue Eigentümer auf Wein- und Spirituosenproduktion um – eine Tradition, die bis weit ins 20. Jahrhundert fortgeführt wurde. Der letzte private Besitzer, Mateo Álvarez, vermachte das Anwesen schließlich der Stadt mit der Auflage, eine Seniorenresidenz zu errichten.
Diese Residenz, die direkt neben dem Museum entsteht und Anfang 2027 eröffnet werden soll, wird eng mit dem Kulturzentrum verzahnt. Geplant ist, dass Bewohner und Besucher gleichermaßen die Lesesäle, Gemeinschaftsräume und den Außenbereich des Trapiche nutzen können. Die Stadtverwaltung sieht in dem Ensemble einen zentralen Anlaufpunkt für Bildung und Kultur, der sowohl Einheimische als auch internationale Gäste ansprechen soll. Die Informationen stammen von der Nachrichtenplattform Diario Sur.
Die Kombination aus denkmalgeschützter Architektur, moderner Museumstechnik und sozialer Infrastruktur macht das Projekt zu einem Vorzeigebeispiel für die gelungene Verbindung von Geschichte und zeitgenössischer Stadtentwicklung an der Costa del Sol.
Quelle: diariosur.es