
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Marbella: Arzt gesteht tödliche Propofol-Injektion
Ein Geständnis mit fatalen Folgen
Es klingt wie ein Fall aus einem Medizinkrimi, doch es geschah in der Realität der spanischen Sonnenküste. Ein 66-jähriger Arzt, der am Hospital Costa del Sol arbeitete, hat gegenüber der Polizei eingeräumt, seiner Kollegin und langjährigen Weggefährtin eine tödliche Dosis des Narkosemittels Propofol verabreicht zu haben. Die Beichte erfolgte spontan – doch sie wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
Mutuelle Gefahr oder fahrlässiger Leichtsinn?
Die Geschichte, die der Mediziner den Beamten erzählte, klingt zunächst nach einem ungewöhnlichen Abkommen unter Gleichgesinnten: Beide hätten sich gegenseitig das starke Betäubungsmittel gespritzt – er sich selbst in den rechten Arm, sie sich in die Halsvene. Doch während der Arzt am Donnerstagnachmittag wieder erwachte, blieb die ersehnte gemeinsame Nacht für die Frau ohne Erwachen. Als er gegen 19 Uhr bemerkte, dass seine Begleiterin nicht mehr reagierte, rief er den Notruf. Zu spät.
Ein Arzt, der die Risiken kennen musste
Hier beginnt der Skandal. Propofol ist kein Spielzeug. Es ist ein Intravenös-Anästhetikum, das ausschließlich unter kontrollierten Bedingungen und mit Überwachungsgeräten verabreicht werden darf. Ein Arzt, der jahrelang in einem Krankenhaus gearbeitet hat, weiß das. Genau diese Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln macht den Fall so brisant: Die Staatsanwaltschaft spricht von möglichem Totschlag mit Eventualvorsatz. Die Argumentation der Ermittler ist dabei eindeutig: Wer als Mediziner die Risiken einer Überdosierung oder einer versehentlichen Fehlinjektion kennt und dennoch in einem Hotelzimmer ohne jegliche Notfallausrüstung hantiert, der nimmt den Tod billigend in Kauf.
Ein Freispruch auf Bewährung?
Doch die Justiz hat eine überraschende Entscheidung getroffen. Der Arzt kam auf freien Fuß – wenn auch mit Auflagen. Die zuständige Richterin sah weder eine Fluchtgefahr noch die Gefahr der Beweisvernichtung, schließlich hatte der Verdächtige selbst den Notruf gewählt und kooperierte mit den Behörden. Für viele Beobachter ist das ein schwaches Argument. Dass ein Mann in seiner Position über genügend Ressourcen und Kontakte verfügt, um ins Ausland zu verschwinden, liegt auf der Hand. Dass er zudem gestanden hat, Medikamente aus dem Krankenhaus entwendet zu haben, spricht nicht gerade für seine Unbedenklichkeit.
Ein System, das versagt hat
Die Nebenermittlungen zeigen ein erschreckendes Bild: Der Arzt hatte offenbar über einen längeren Zeitraum Zugriff auf starke Medikamente und nutzte diese auch außerhalb des Klinikbetriebs. Wie konnte das unbemerkt bleiben? Krankenhäuser in Spanien haben eigentlich strenge Kontrollmechanismen für Betäubungsmittel. Dass diese hier offenbar umgangen wurden, wirft ein schlechtes Licht auf die internen Sicherheitsvorkehrungen. Die Frage, die sich nun stellt, ist eine grundsätzliche: Wie viele Mediziner praktizieren solch gefährliche Selbstversuche, ohne dass es jemand bemerkt?
Ein Todesfall mit offenen Fragen
Die Autopsie wird letztlich Klarheit über die genaue Todesursache bringen müssen. Ob es eine Überdosis war oder eine unglückliche Wechselwirkung, bleibt abzuwarten. Fest steht: Eine Frau ist tot, ein Arzt hat ihre Mitverantwortung eingeräumt, und ein Hotelzimmer in Marbella wurde zum Tatort eines unnötigen Todes. Die Justiz mag dem Mediziner vorerst Vertrauen schenken – die Öffentlichkeit sollte es nicht tun.
Wie die Zeitung Diario Sur berichtet, wurden in dem Hotelzimmer leere Propofol-Ampullen und Spritzen sichergestellt. Die Ermittlungen dauern an. Link zur Quelle
Quelle: diariosur.es