
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Mallorcas Ruf nach Schutz für Saharaui-Kinder
Ein Skandal, der Generationen prägt
Wer hätte gedacht, dass aus einem temporären Aufenthalt ein jahrzehntelanges Exil wird? Der Consell de Mallorca hat die internationale Gemeinschaft nun eindringlich daran erinnert, dass die Nahost-Uhr für die Saharaui längst nicht mehr tickt – sie ist stehen geblieben. Bei der UN-Vollversammlung in New York hat die Inselverwaltung klargestellt, was viele gerne vergessen: Kinder, die in den Flüchtlingslagern von Tindouf geboren wurden, kennen keine andere Heimat als den Staub des Exils. Das ist keine humanitäre Randnotiz, sondern ein Armutszeugnis der Diplomatie.
Die Botschaft aus Palma: Reden allein reicht nicht
Magdalena Ramis, Direktorin für Kinder- und Jugendprogramme der Insel, hat bei der sogenannten Vierten Kommission der Vereinten Nationen eine klare Ansage gemacht: "Nichts rechtfertigt es, dass Kinder und Jugendliche für ein ungelöstes Problem der Weltpolitik büßen müssen." Ihre Worte sind ein Frontalangriff auf die jahrzehntelange Untätigkeit der Staatengemeinschaft. Die Saharaui haben ihre Identität bewahrt, Dienstleistungen unter extremsten Bedingungen organisiert – doch Ramis stellt die entscheidende Frage: Dürfen wir die Widerstandsfähigkeit eines Volkes als Alibi für Stillstand missbrauchen?
Selbstbestimmung als einziger Ausweg
Guillermo Sánchez, Sozialratsmitglied und Präsident des Instituts für Soziales der Balearen (IMAS), ging am Donnerstag noch einen Schritt weiter. Vor Spaniens ständiger Vertretung bei der UN forderte er nichts Geringeres als das Ende des politischen Schweigens: Es brauche endlich das viel zitierte Referendum zur Selbstbestimmung, damit die Saharaui selbst über ihre Zukunft entscheiden können. Seine Botschaft ist unmissverständlich: "Dieses Volk hat seine Leidensfähigkeit zur Genüge unter Beweis gestellt. Was es jetzt braucht, sind keine weiteren Solidaritätsbekundungen, sondern Taten."
Wenn hohe Worte folgenlos bleiben
Beide Reden in der UN-Vollversammlung, ermöglicht durch die Freundesvereinigung des Saharaui-Volkes der Balearen und das Polisario-Front, sind Teil einer dringend notwendigen diplomatischen Offensive. Während die internationale Gemeinschaft weiterhin Resolutionen verabschiedet, wächst eine dritte Generation im Exil heran – ohne Perspektive, ohne echte Zukunftschancen. Das eigentliche Skandalon ist nicht die humanitäre Situation, sondern die Haltung jener, die lieber hinter diplomatischen Floskeln Schutz suchen, als den Finger in die Wunde zu legen.
Die Forderung aus Mallorca ist mehr als Sympathiebekundung: Sie ist der Versuch, die Widersprüche der internationalen Politik aufzudecken. Solange ein Volk seiner Selbstbestimmung beraubt wird, bleiben wohlklingende Resolutionen bloße Makulatur. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, war der Auftritt vor der Vierten Kommission durch die Dringlichkeit geprägt, endlich eine "politische Lösung zu finden, die den Menschen Würde zurückgibt – statt zum x-ten Mal auf morgen zu vertagen."
Quelle: europapress.es