
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Mallorcas Mühlen erwachen zu neuem Leben
Ein Denkmal für die Zukunft: 2,5 Millionen für das Erbe der Insel
Während anderswo über die Verwendung von Steuergeldern nur debattiert wird, handelt Mallorca. Der Inselrat hat ein klares Zeichen gesetzt: Statt in weitere Bettenburgen zu investieren, fließen 2,5 Millionen Euro aus dem Fonds für nachhaltigen Tourismus in die Wiederbelebung der historischen Mühlenlandschaft. Das ist nicht nur eine Investition in Stein und Holz, sondern ein Bekenntnis zur kulturellen Identität der Insel.
Ein Triumph der Geduld: Vom Verfall zur Restaurierung
Wer schon einmal über Mallorcas Landstraßen fuhr, kennt das Bild: verfallene Windmühlen, stumme Zeugen einer vergangenen Ära, die dem modernen Massentourismus zum Opfer fielen. Genau hier setzt das wegweisende Projekt an. Der Consell de Mallorca wird nicht weniger als 35 historische Mühlen in 19 Gemeinden restaurieren lassen. Die Bandbreite ist beachtlich: 22 Mühlen zur Wasserextraktion, 12 Getreidemühlen und eine stattliche Wassermühle werden in neuem Glanz erstrahlen.
Die Zahlen hinter dem Projekt sind beeindruckend, doch die Philosophie dahinter ist noch bedeutsamer. Der Staat übernimmt 75 Prozent der Kosten, während die Eigentümer die restlichen 25 Prozent tragen. Die Investition von 2,5 Millionen Euro wird durch etwa 838.000 Euro privates Kapital ergänzt. Eine echte Public-Private-Partnership, die zeigt, dass Verantwortung geteilt werden kann, ohne das Erbe zu verraten.
Mehr als nur Touristenattraktion: Ein Bollwerk gegen die Beliebigkeit
Die Kritiker werden nun einwenden: Das sei doch alles nur eine weitere Inszenierung für gut zahlende Urlauber. Doch dieser Einwand verfängt nicht. Das Projekt verteilt die Mittel bewusst: 1,8 Millionen Euro gehen an 25 private Eigentümer und Institutionen, 365.901 Euro an fünf Unternehmen und 324.951 Euro an fünf Gemeinden. Diese Streuung demonstriert, dass der Denkmalschutz nicht nur eine Angelegenheit der Hauptstadt ist, sondern der gesamten Insel zugutekommt.
Besonders bemerkenswert sind die ausgewählten Projekte. Die Wassermühle von Cala Banyalbufar, der Turm von Puigpunyent oder die Mühle von Llubí sind keine bloßen Touristenmagneten. Sie sind das lebendige Gedächtnis einer Landwirtschaft, die einst die Insel versorgte. Die Restaurierung umfasst dabei sowohl die architektonischen Elemente als auch die historische Maschinerie. Die strikten Vorgaben zur Nutzung traditioneller Materialien und Techniken unterstreichen den ernsthaften Ansatz des Projekts.
Touristensteuer als Segen statt als Ärgernis
Die Tourismusabgabe ist auf Mallorca seit Jahren ein Streitpunkt. Während die einen sie als pure Abzocke verteufeln, sehen die anderen in ihr eine Zweckentfremdung. Die jetzige Initiative zeigt, wie die Mittel aus dem Tourismus-Sektor direkt der Gesellschaft zugutekommen können. Der Consell zeigt mit dieser konkreten Investition, dass die Einnahmen des ITS nicht in schwarzen Löchern der Verwaltung verschwinden.
Präsident Llorenç Galmés bringt es auf den Punkt: Die Mühlen seien Teil der Identität der Insel und ein Landschaftserbe für Generationen. Für alle, die die Insel nur als Partyzone kennen, ist dies eine wichtige Botschaft: Mallorca ist mehr als nur Sonne und Sangria.
Es ist zu hoffen, dass dieses Projekt nur der Anfang ist. Die 3,35 Millionen Euro Gesamtvolumen setzen Maßstäbe – nicht nur für den Erhalt von Bauwerken. Sie sind ein Bekenntnis zu einem nachhaltigen Tourismusmodell. Eines, das von der Wertschätzung des Vorhandenen lebt und nicht von dessen schleichendem Verfall.
Quelle: europapress.es