Mallorca als Brandschutz-Zentrale?

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Palma de Mallorca

Mallorca als Brandschutz-Zentrale?

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Schachzug mit Signalwirkung

Es ist ein cleverer Auftritt, den Pedro Sánchez da hingelegt hat. Mitten in der Sommersaison, während auf dem spanischen Festland gleich mehrere Waldbrände wüten, schickt der Regierungschef einen Brief nach Brüssel. Seine Botschaft: Wir Spanier löschen nicht nur, wir denken auch strategisch. Konkret schlägt Sánchez der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor, den neuen Lösch-Hub für das westliche Mittelmeer auf Mallorca zu errichten – genauer gesagt am Flughafen Son Sant Joan.

Der Osten hat bereits, der Westen braucht

Die Argumentation dahinter ist schlüssig und hat einen gar nicht so feinen Unterton. Während sich die EU bereits auf ein großes Zentrum für den östlichen Mittelmeerraum in Zypern geeinigt hat, klafft im Westen bislang eine Lücke. Sánchez nutzt die Gunst der Stunde: Rund zehn Großbrände beschäftigen derzeit die Einsatzkräfte in ganz Spanien. Die Bilder von Löschflugzeugen und verkohlten Hängen gehen um die Welt. Genau jetzt mit einer solchen Initiative zu kommen, ist politisch klug – es zeigt Handlungsstärke in der Krise.

Mehr als nur ein Stützpunkt

Kritiker könnten einwenden, dass es sich hierbei lediglich um symbolische Politik handle. Doch dieser Einwand greift zu kurz. Denn ein solcher Stützpunkt auf den Balearen wäre weit mehr als ein paar Hangars mit Feuerwehrfahrzeugen. Es geht um die Positionierung Spaniens als zentraler Akteur im europäischen Katastrophenschutz. Wer das Logistikzentrum stellt, bestimmt auch mit, wie koordiniert wird. Mallorca, ohnehin Drehkreuz für Millionen Touristen, würde damit auch im Sicherheitsbereich zur strategischen Drehscheibe.

Der richtige Ort zur richtigen Zeit

Die Wahl des Standorts ist dabei keineswegs zufällig. Die Insel liegt geografisch ideal zwischen dem spanischen Festland, Südfrankreich und Nordafrika. Ein Einsatz vom Flughafen Palma aus könnte sowohl die Iberische Halbinsel als auch die französische Mittelmeerküste in Rekordzeit erreichen. Und nicht zuletzt: Die Balearen sind selbst immer wieder von Bränden betroffen. Ein permanenter Lösch-Hub vor der eigenen Haustür hätte also auch einen ganz praktischen Nutzen für die Region.

Ein Fünf-Sterne-Argument

Sánchez hat bei seiner Ankündigung nicht nur mit der EU-Kommissionschefin gesprochen, sondern auch König Felipe VI. und die Regionalpräsidentin der Balearen über seine Pläne informiert. Diese diplomatische Choreografie zeigt: Es geht ihm nicht um einen Alleingang, sondern um ein gemeinsames europäisches Projekt mit spanischer Handschrift. Ob Brüssel das Angebot annimmt, bleibt abzuwarten. Doch allein die Tatsache, dass Spanien hier die Initiative ergreift und nicht auf Brüsseler Vorgaben wartet, ist ein klares Statement. In Zeiten des Klimawandels, in denen die Feuergefahr im Mittelmeerraum stetig zunimmt, ist dieser Vorstoß alles andere als ein Sommerloch-Thema – es ist gelebte europäische Solidarität mit strategischem Eigeninteresse.

Wie Europa Press berichtet, kündigte Sánchez die Initiative im Anschluss an seinen traditionellen Sommertermin mit dem König im Palast von La Almudaina an.


Quelle: europapress.es

Mehr aus Mallorca & Balearen & Spanien