Madrids Lehrer trotzen dem Kalkül der Regierung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Madrids Lehrer trotzen dem Kalkül der Regierung

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Der vierte Streiktag in Madrid: Ein Land, das nicht mehr stillsteht

Es ist ein Donnergrollen, das durch die Straßen der Hauptstadt zieht. Der Ton zwischen der Regionalregierung von Isabel Díaz Ayuso und den Lehrern der öffentlichen Schulen ist endgültig gekippt. Was vor Tagen noch mit Pfeifen und Transparenten begann, hat sich zu einer Machtprobe mit Sprengkraft entwickelt. Am Montag, dem vierten Tag des unbefristeten Streiks, haben hunderte Pädagogen die Prachtstraße Alcalá vor der Bildungsverwaltung blockiert. Zuvor schon legten sie mit einem symbolträchtigen Stunt auf der Autobahn A-3 den Feierabendverkehr lahm: Schulbänke als Barrikaden — ein Bild, das an eine andere Zeit erinnert, aber die Botschaft ist eindeutig: Der Unterricht läuft nicht ohne uns.

Die Rechnung der Consejería ist ein politischer Offenbarungseid

Während die einen auf die Straße gehen, versteckt sich die andere Seite hinter Zahlen. Die Bildungsbehörde spricht von lächerlichen 13,2 Prozent Beteiligung, die Gewerkschaften kontern mit satten 50 Prozent. Diese Diskrepanz ist kein statistisches Problem, sondern ein hausgemachtes. Bildungsministerin Mercedes Zarzalejo hat die Gesprächsangebote der Verbände bislang nicht nur ignoriert — sie torpediert sie aktiv. Ein geplanter Schulbesuch in Vallecas wurde „aus Sicherheitsgründen“ abgesagt, als die wütende Menge vor dem Institut auftauchte. Das ist weder Führung noch Dialog; das ist Realitätsverweigerung.

Doch die Wut der Lehrkräfte hat einen konkreten Anlass. Es geht nicht um Klimbim oder Komfort, sondern um die Zukunft des öffentlichen Bildungswesens. Die Liste der Forderungen liest sich wie ein Katalog der Missstände: kleinere Klassen, mehr Personal für Inklusion und Psychologie, der Stopp des Bilingualismus-Modells. Vor allem aber geht es um Geld: 600 Euro mehr pro Monat und eine Anerkennung für die Arbeit in Sonderpädagogik. Eine Lehrkraft berichtet von 32 Grad in den Klassenzimmern im Juni — Klimaanlagen sind Mangelware.

Der Protest erreicht den Palast

Das Kalkül der Regierung, den Streik auszusitzen, ist gescheitert. Die Demonstration verlagerte sich am Montagnachmittag kurzerhand zum Palacio de Santoña, wo Ayuso über „Langlebigkeit“ referierte — eine Pointe, die bitterer nicht sein könnte. Hunderte Pädagogen skandierten vor dem Gebäude, nur durch Polizeiketten getrennt. Ayuso musste für Stunden ausharren, bis die Beamten die Menge schließlich mit Gewalt auseinandertrieben. Die rechtfertigenden Worte der Polizei von der „minimalen Gewaltanwendung“ sind ein schwacher Trost. Es war der erste große Eklat im Zentrum der Macht.

Die Gewerkschaften zeigen sich davon unbeeindruckt. „Wir wollen nicht die Straßen anzünden, wir wollen verhandeln“, sagt Sergio Calvente von der CGT. Doch genau dieser Dialog scheint Zarzalejo zu scheuen. Statt eines konstruktiven Angebots kommt das Mantra von der „politischen“ Huelga. Das mag rechtlich der zahnlose Versuch sein, die Streikenden zu kriminalisieren, doch politisch entlarvt es die Taktik. Die Regierung setzt auf Zeit — und darauf, dass die Ersparnisse der Lehrer schneller schwinden als der Mut der Regierenden.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Verwaltung weiter mauert. Geplant sind dezentrale Aktionen in den Stadtvierteln, ein Marsch vor die Regionalversammlung und ein Sternmarsch zum Ministerium. Die Lehrer haben ihre Energie nicht verloren — der Wintermantel über dem Streikshirt ist Beweis genug. Der Bildungsstreik in Madrid ist kein Randgruppenphänomen mehr. Er ist zur größten innenpolitischen Zerreißprobe der Region geworden, deren Ausgang entscheidet, ob Madrid weiter auf eine Schule der zwei Klassen zusteuert.

Wie Europa Press berichtet, eskaliert die Lage zusehends. Die Regierung hat für die zweite Woche keinerlei Deeskalationspläne angekündigt — nur harte Bandagen. Ob die Provokation der Gewerkschaften weiterhin so brachial ausfällt, wird sich zeigen. Die Bildungsverwaltung steht vor den Trümmern ihrer eigenen Kompromisslosigkeit.


Quelle: europapress.es

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