Madrids Lehrer rebellieren gegen Sparpolitik

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Madrids Lehrer rebellieren gegen Sparpolitik

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Bollwerk aus Grün und Gelb

Der zweite Tag des Bildungsstreiks in Madrid hat gezeigt, dass der Unmut im Kollegium kein Strohfeuer ist. Eine symbolische „Menschenkette" aus Tausenden von Pädagogen umschloss am Donnerstag das Gebäude der Bildungsverwaltung an der belebten Calle Alcalá. Die Botschaft war unmissverständlich: So wollen wir nicht weiterarbeiten. Wo die Polizei von 10.000 Teilnehmern spricht, sehen die Organisatoren eine Bewegung, die weit über den reinen Arbeitskampf hinausgeht. Es geht um die Zukunft der öffentlichen Schule – ein Thema, das längst die Eltern und Schüler mit auf die Straße treibt.

Ein Kampf um Ressourcen, nicht um Befindlichkeiten

Die Streikleitung, ein Bündnis aus sechs Gewerkschaften und mehreren Lehrerplattformen, hat ihre Forderungen klar definiert. Es geht nicht um Lappalien, sondern um die Substanz des Unterrichts: die Rückkehr zu maximal 17 Wochenstunden in der Sekundarstufe und 22 in der Grundschule, kleinere Klassen und eine spürbare Gehaltserhöhung von 600 Euro monatlich. Besonders bitter ist die Lage für Lehrkräfte der Sonderpädagogik und der Berufsbildung, die seit Jahren auf eine Angleichung ihrer Bezüge warten. Die „Marea Verde“, die grüne Welle, ist zurück – und sie hat diesmal lautstarke Verbündete: die gelben Hemden der Erzieherinnen und Erzieher.

Zwei Baustellen, ein gemeinsamer Gegner

Interessant ist die Zweiteilung des Protests. Während der Hauptstrom der Demonstrierenden vor dem Bildungsministerium campierte, wählte die Gewerkschaft CSIF eine andere Adresse: das Finanzministerium. Die Rechnung dahinter ist ebenso einfach wie politisch brisant. Wer das Geld verwaltet, hat die Macht – und wer das Geld vorenthält, ist der wahre Ansprechpartner. CSIF-Sprecher Miguel Ángel González geißelte die Hinhaltetaktik der Regierung und verwies auf eine einfache Milchmädchenrechnung: Wenn nur die Hälfte der 65.000 Beschäftigten nicht arbeitet, spart die Region täglich über drei Millionen Euro an Gehältern. Geld, das die Regierung offenbar lieber einbehält, anstatt es in marode Schulgebäude zu investieren.

Ein Weckruf an die Adresse Ayusos

Die Menge ließ keinen Zweifel daran, wen sie für die Misere verantwortlich macht. „Ayuso, hör zu, die öffentliche Schule kämpft“, hallte es durch die Straßen, begleitet von Spottgesängen über die Regionalpräsidentin. Ein Plakat brachte es auf den Punkt: „Ayusos Garten ist privat, ohne Geld kommst du da nicht rein.“ Die symbolischen Verkehrsblockaden – zunächst an der Calle Alcalá, später auf dem Paseo de la Castellana – sind dabei weniger als Provokation zu verstehen, sondern als letztes Druckmittel in einer Debatte, die die Regierung seit Jahren aussitzt.

Die Regionalverwaltung kontert derweil mit erwartbaren Floskeln. Man spreche von einem „normalen“ Tagesablauf und beziffert die Beteiligung auf magere 32 Prozent. Dieser Wert weicht erheblich von den Angaben der Gewerkschaften ab, die von 62 Prozent Sprengkraft sprechen. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, ob die Regierung unter der Führung von Mercedes Zarzalejo endlich den Dialog sucht. Oder ob sie weiterhin darauf vertraut, dass der Protest im Alltagstrott untergeht. Die Streikenden haben bereits angekündigt: Sollte nichts passieren, wird dieser Konflikt das ganze Schuljahr begleiten. Wie die Regionalregierung von Madrid berichtet, sei der Unterrichtsbetrieb jedoch weitestgehend aufrechterhalten worden, was die Diskrepanz der Wahrnehmung demonstriert.


Quelle: europapress.es

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