Madrids Kampf gegen Drogenwohnungen zeigt Wirkung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Madrids Kampf gegen Drogenwohnungen zeigt Wirkung

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Schlag gegen den Drogenhandel: Madrids Polizei zieht Bilanz

Die Bilanz kann sich sehen lassen, doch sie offenbart auch ein drängendes Problem: Madrids Kommunalpolizei hat in den ersten neun Monaten des Jahres 35 sogenannte Narcopisos zerschlagen – eine Steigerung von 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 77 Menschen wurden festgenommen, die Beamten stellten Waffen, Bargeld und große Mengen Rauschgift sicher. Die Zahlen, die Vizeregierungsbürgermeisterin Inma Sanz am Mittwoch präsentierte, sind ein Beleg für intensivierte Ermittlungsarbeit – aber auch für die Hartnäckigkeit des Problems.

Ein Stadtteil im Fokus: Puente de Vallecas als Brennpunkt

Besonders auffällig ist die geografische Konzentration der Einsätze. Allein im Arbeiterviertel Puente de Vallecas wurden 13 solcher Drogenwohnungen ausgehoben, dicht gefolgt von Carabanchel mit zwölf. Zentrum und Ciudad Lineal kamen auf jeweils zwei. Diese Zahlen dürften für Anwohner kaum überraschend kommen, denn sie bestätigen eine lange bekannte Realität: Der Drogenhandel in Madrid hat klare Hochburgen, und genau dort muss der Staat seine Präsenz verstärken.

Die Ausbeute der Razzien ist beachtlich: 37,6 Kilo Haschisch, 26,6 Kilo Marihuana und 800 Pflanzen, über 18 Kilo Kokain sowie 5,4 Kilo MDMA wurden laut Europa Press sichergestellt – dazu zehn Schusswaffen, 20 große Messer und etwa 85.000 Euro Bargeld. Wer hier noch von Bagatelldelikten spricht, verkennt die Dimension des organisierten Verbrechens, das sich in Wohnungen verschanzt hat.

Ein Justizsystem, das Täter belohnt?

Doch so erfolgreich die Ermittlungen auch sein mögen, so sehr stößt die Polizei an systemische Grenzen. Sanz machte aus ihrer Frustration keinen Hehl: Die geltende Gesetzgebung sei im Kampf gegen Drogenhandel einfach „nicht kontundent genug“. Ihre Kritik zielt auf ein bekanntes Problem – die sogenannte Multirreincidencia. Immer wieder werden Drogendealer festgenommen, nur um wenig später wieder auf freiem Fuß zu sein, weil das Strafmaß für geringe Mengen lächerlich milde ausfällt. Die Vizeregierungsbürgermeisterin nannte es treffend, dass diese Täter „durch die Hintertür der Polizeiwache“ verschwinden, kaum dass sie durch die vordere geführt wurden.

Gegen diese Kreisläufe helfe keine noch so gute Polizeiarbeit allein. Wer derartige Strukturen zerschlagen will, brauche eine Justiz, die Wiederholungstäter nicht wie Gelegenheitsdiebe behandelt. Und er brauche mehr Personal. Die Forderungen nach einer Verschärfung des Strafrahmens sind nicht neu, aber die aktuellen Zahlen zeigen, wie dringlich sie sind. Ohne politische Konsequenzen bleiben die Drogenwohnungen ein Fass ohne Boden.

Nachbarschaft als entscheidender Verbündeter

Einen Hoffnungsschimmer liefern die Anwohner. Sanz betonte, dass viele der erfolgreichen Operationen, wie etwa die „Operación Granda II“ im Stadtteil Portazgo, erst durch Hinweise aus der Bevölkerung möglich wurden. Mehr als 30 Überwachungseinsätze führten dort zur Zerschlagung von drei Wohnungen, die als Verkaufs-, Abfüll- und Anbaustützpunkte dienten. Dieser Faktor ist nicht hoch genug einzuschätzen: Es ist die Zivilcourage der Bürger, die den Druck aufrechterhält, wenn Institutionen an ihre Grenzen stoßen.

Die gestiegene Zahl der Razzien ist also einerseits ein Erfolg der verstärkten Ermittlungstätigkeit – andererseits eine Anklage an einen Rechtsstaat, der bei der Bekämpfung organisierter Kriminalität noch immer zu lasch agiert. Wie die zuständige Behörde berichtet, bleibt die Lage insbesondere in Puente de Vallecas angespannt. Die Antwort darauf kann nicht allein aus mehr Razzien bestehen, sondern aus einer grundlegenden Reform der Justiz – und einem langen Atem.


Quelle: europapress.es

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