Madrider Traditionsbuchhandlung schließt nach 80 Jahren

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Madrider Traditionsbuchhandlung schließt nach 80 Jahren

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Ende nach acht Jahrzehnten

Die Buchhandlung Pérgamo, ein fester Bestandteil der Madrider Kulturszene, wird ihre Türen am 17. November schließen. Das Geschäft in der Calle del General Oráa im Stadtteil Salamanca ist seit mehr als 80 Jahren aktiv. Betreiber Pablo Cerezo erklärte die Schließung mit der wirtschaftlichen Realität: Die Mietforderungen hätten ein Niveau erreicht, das den Betrieb unmöglich mache. Es sei schlicht nicht mehr tragfähig.

Paradoxe Lage im Buchhandel

Cerezo beschreibt die Situation als grundlegenden Widerspruch. Der Verkauf laufe weiterhin gut, ebenso die Lesekreise, die regelmäßig ausgebucht seien. Dennoch reiche dies nicht aus, um die Kosten zu decken. Der Löwenanteil der Einnahmen fließe direkt in die Miete, so der Geschäftsführer. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung: Zwar präsentierten sich die makroökonomischen Kennzahlen stabil, doch die Bürger spürten davon nichts. Diese Diskrepanz sei ein Symptom einer Ökonomie, die zunehmend auf Rendite ausgerichtet sei.

Suche nach neuen Räumen

Trotz der Schließung des bisherigen Standorts sieht Cerezo die Zukunft des Projekts nicht gefährdet. Man arbeite mit Hochdruck an der Suche nach einem neuen Ladenlokal, um den Betrieb fortzuführen. Die bestehende Gemeinschaft aus Stammkunden und Teilnehmern der Veranstaltungen sei groß genug, um den Fortbestand zu sichern. Cerezo betont, dass man den Betrieb mit voller Kraft weiterführen werde, notfalls in einem anderen Viertel. Das Konzept der Buchhandlung verstehe sich nicht nur als Verkaufsort, sondern vor allem als Raum für Austausch und Begegnung – der Verkauf sei dabei oft nur der Anlass für ein Gespräch.

Ein Symbol für einen größeren Trend

Der Zeitpunkt der Schließung fällt mit dem geplanten Generalstreik am 11. November zusammen, dem Tag der Buchhandlungen. Für Cerezo ist dies kein Zufall. Er sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Mietpreise und den gestiegenen Lebenshaltungskosten. Investitionen in Kultur und Freizeit würden zunehmend von den Fixkosten für Wohnraum verdrängt. Dies sei ein Problem, das über den Einzelfall hinausgehe und die gesamte Wirtschaft betreffe. Auch die Eigentümer der Immobilie hätten kein Interesse an einer Verlängerung des Mietverhältnisses gezeigt.

Kritik aus der Politik

Die Schließung hat auch politische Reaktionen ausgelöst. Der sozialistische Stadtrat Jorge Donaire bedauerte den Schritt und forderte den Gemeinderat auf, aktiv zu werden. Er verwies auf eine Studie des Madrider Buchhändlerverbands, die bereits vor Monaten vor den Folgen der Immobilienspekulation für den Buchhandel gewarnt hatte. Für die Anwohner bedeute der Verlust von Pérgamo mehr als nur die Schließung eines Geschäfts, so Donaire. Es gehe ein kultureller Ankerpunkt des Viertels verloren.

Der Schritt von Pérgamo steht exemplarisch für die wachsende Schwierigkeit inhabergeführter Geschäfte in zentralen Lagen spanischer Städte.


Quelle: europapress.es

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