
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Linke vor dem Scherbenhaufen in Madrid und Katalonien
Fristablauf setzt Linke unter Druck
Bis Freitag um Mitternacht müssen die Weichen gestellt sein. Die Frist für die Einreichung von Wahlbündnissen läuft ab, und die Parteien links der Sozialisten (PSOE) ringen in letzter Minute um tragfähige Koalitionen für die vorgezogenen Neuwahlen am 29. November. Das Bekenntnis zur Einheit ist dabei allgegenwärtig – die Realität sieht jedoch anders aus.
Wie die Tageszeitung 20 Minutos berichtet, klaffen die Vorstellungen zwischen Podemos und dem Bündnis Frente Amplio – bestehend aus Izquierda Unida (IU), Sumar, Más Madrid und den Comuns – weit auseinander. Beide Lager beanspruchen für sich, die wahre Einheitskandidatur zu vertreten, doch die gegenseitigen Vorwürfe und strategischen Differenzen sind tief.
Unüberbrückbare Gegensätze in den Metropolen
In Madrid und Barcelona, den beiden wichtigsten Wahlkreisen, scheint eine gemeinsame Liste praktisch ausgeschlossen. Frente Amplio hat mit Emilio Delgado von Más Madrid einen Spitzenkandidaten für die Hauptstadt nominiert, der nicht zurückweichen will. Podemos pocht dagegen auf Ex-Gleichstellungsministerin Irene Montero als Zugpferd, die aus ihrer Sicht die "mutige Linke" verkörpert, die dem PSOE die Stirn bieten kann.
Ein möglicher Kompromiss scheiterte bereits im Vorfeld: Ada Colau, die von Frente Amplio als Spitzenkandidatin für Barcelona vorgesehen ist, hatte angeboten, auf ihre Kandidatur zu verzichten, um Podemos den Beitritt zu erleichtern. Doch dieser Schachzug wäre nur relevant gewesen, wenn Montero in Barcelona angetreten wäre – was wiederum durch ein separates Abkommen zwischen Podemos und der katalanischen Partei ERC verhindert wird. Die Republikaner haben Podemos im Gegenzug für Wahlkampfunterstützung außerhalb Kataloniens zugesichert, dort nicht anzutreten.
Bewegung an der Peripherie
Während in den großen Städten die Fronten verhärtet sind, zeigt sich in anderen Regionen ein differenzierteres Bild. Podemos-Chefin Ione Belarra warb zuletzt für Bündnisse in zehn autonomen Gemeinschaften, darunter Galicien, Andalusien und das Baskenland. Ihre Begründung: Außerhalb der Metropolen sei die Fragmentierung weniger schädlich.
Die Antwort von IU-Bundeskoordinator Antonio Maíllo fiel jedoch deutlich aus. Man verhandle ausschließlich über Frente Amplio und nicht über Einzelabsprachen. Eine landesweite Einheitsliste sei das Ziel, keine "zerstückelten" Regionalpakte.
Etwas besser sehen die Chancen dort aus, wo linke Regionalparteien die Verhandlungen führen. In der Valencianischen Gemeinschaft, Aragonien und auf den Balearen laufen Gespräche im Hintergrund. Allerdings gibt es auch hier Reibungspunkte – etwa im Inneren von Compromís, wo verschiedene Strömungen um die Spitzenposition ringen. Positive Nachrichten kamen am Donnerstag von den Kanarischen Inseln: Dort haben sich Podemos, IU und Nueva Canarias auf ein gemeinsames Bündnis geeinigt. In Andalusien, dem Baskenland und Galicien haben sich die regionalen Kräfte wie Adelante, Bildu und BNG hingegen längst von einer Zusammenarbeit mit den staatlichen Linksparteien distanziert.
Quelle: 20minutos.es