
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Lehrkräfte marschieren für Verhandlungen
Druck auf die Consejeria wächst
In Madrid ist der Unmut der Lehrkräfte an öffentlichen Schulen erneut deutlich auf der Straße sichtbar geworden. Rund 20.000 Pädagogen und Pädagoginnen, so die Angaben der Regierungsdelegation, zogen am Donnerstagabend vom Bahnhof Atocha zur Bildungsverwaltung an der Calle Alcalá. Ihr Ziel: die für Bildung zuständige Consejera Mercedes Zarzalejo zu einem Treffen zu bewegen. Der Protest markierte den siebten Tag des unbefristeten Streiks, der die Region seit einer Woche beschäftigt.
Die Stimmung unter den Demonstrierenden war trotz der angespannten Lage kämpferisch. Mit Silbengepfeife und Sprechchören wie „Wo bist du, Zarzalejo?" oder „Öffentliche und qualitative Bildung" machten sie ihrem Frust Luft. Auffällig war dabei der einheitliche Auftritt in Grün – der Farbe der Bewegung für öffentliche Bildung. Viele trugen nicht nur Kleidung in diesem Ton, sondern auch grünen Schmuck oder Blumen im Haar. Dies war eine direkte Anspielung auf eine Aussage der Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso, die die Protestierenden zuvor abfällig als „coro rociero", eine Art folkloristischen Gesangschor, bezeichnet hatte.
Symbolik und Durchhaltevermögen
Unter den Protestierenden sorgte eine selbstgebaute Pappfigur für Aufsehen: Sie stellte Shakira in einem grünen Sevillana-Kleid dar. Die Schilder der Menge waren ebenso kreativ wie deutlich. Slogans wie „Bildung wird nicht verkauft, sie wird gehört" oder „Wenn alles privat ist, werden wir von allem ausgeschlossen" prägten das Bild des Marsches. Neben dem Protest dienten Stände entlang der Route auch der Solidarität: Sie verkauften Armbänder, T-Shirts und Sweatshirts, um einen Streikfonds zu speisen. Die finanziellen Einbußen sind für viele Beteiligte erheblich, wie Teilnehmer berichten.
Eine Gruppe von Berufsschullehrerinnen schilderte gegenüber Pressevertretern ihre prekäre Lage: Pro Streiktag verlieren sie etwa 140 Euro, was auf die Woche gerechnet rund 700 Euro ausmacht. Trotz dieser Belastung zeigt sich ein Lehrer für Sekundarstufe überzeugt, dass man durchhalten werde. Man sei dem Ziel einer Unterredung mit Zarzalejo näher denn je. Auch die Solidarität der Schüler wachse, einige hätten den gestimmüden Lehrkräften sogar Lutschtabletten gebracht, so sehr hätten die Proteste die Stimmen beansprucht.
Neue Bündnisse und Unterstützung
Ana Vicentí von der Gruppe „Menos Lectivas" betonte, dass sich die Bewegung neu organisiere. Täglich entstünden neue schulinterne Versammlungen, die Koordination mit Familien laufe für die gemeinsamen Streikkassen, und kreative Aktionen wie Konzerte sollten die finanzielle Basis des Streiks sichern. Gleichzeitig wachse die Unterstützung von Elternseite. Der Vize-Präsident des Elternverbands Confapa Madrid, Fernando Mardones, sprach von einem „explodierten Familienbewegung". Mehr als 300 Familienvereinigungen unterstützten die Forderungen der Lehrkräfte.
Die Gewerkschaften unterstreichen den Kern der Auseinandersetzung. Chema Pinto von UGT Educación machte deutlich, dass es nicht um radikale Forderungen gehe, sondern darum, dass Madrid nicht länger Spitzenreiter bei der schulischen Segregation sein dürfe. Man brauche ein Sofortprogramm gegen übermäßige Bürokratie, die Lehrkräfte täglich Stunden an Schreibtischarbeit koste. Zu den zentralen Anliegen gehören die Reduzierung der Pflichtstunden auf 17 pro Woche in der Sekundarstufe und der Berufsbildung, kleinere Klassen sowie mehr Personal für Beratung und Diversität. Gefordert werden zudem eine deutliche Gehaltserhöhung, eine Aufwertung der Sonderpädagogik und der Kampf gegen den bestehenden Bilingualismus-Modell.
Politische Unterstützung von links
Die Demonstration erhielt auch prominente Unterstützung. Irene Montero, Spitzenkandidatin von Podemos für die anstehenden Regionalwahlen, mischte sich unter die Menge. Sie warf der Präsidentin Ayuso vor, das öffentliche Schul- und Gesundheitswesen systematisch zu beschädigen. In ihrer Kritik verglich sie die Politik der Regionalregierung mit dem Kurs des argentinischen Präsidenten Javier Milei. Die Priorität liege klar auf wirtschaftlichen Interessen, nicht auf dem Gemeinwohl. Montero verwies auf marode Schulgebäude, schlecht bezahlte Erzieherinnen und die Förderung von Großereignissen wie der Formel 1. Sie sprach sich deutlich für eine bessere Ausstattung der Schulen und eine Entlastung des Lehrpersonals aus.
Die Regionalregierung hat den Streik derweil als wenig befolgt eingestuft. Sie beziffert die Teilnahme an dem Ausstand am Donnerstag auf lediglich 19,5 Prozent. Die Gewerkschaften widersprechen dieser Darstellung und beziffern den Anteil streikender Lehrkräfte auf bis zu 60 Prozent. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, bleibt die Lage damit vorerst angespannt.
Quelle: Informationen basierend auf einem Bericht von Europa Press.
Quelle: europapress.es