
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Kugeln im Klassenzimmer: Das Ende der Naivität
Wenn aus Vorsorge Ernst wird
Die spanische Gemeinde Alfarnate hat ein Problem. Und zwar eines, das sich nicht mehr mit der Floskel vom „ländlichen Brauchtum“ schönreden lässt. Wie die Lokalzeitung Diario Sur berichtet, musste der Stadtrat ein öffentliches Verbot in Erinnerung rufen, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: Schusswaffen haben im Stadtkern nichts verloren. Der Anlass ist alles andere als theoretisch.
Es begann mit einer Nachricht aus der Grundschule. Zwei Einschusslöcher in den Fenstern. Die Gemeinde zögerte zunächst, sprach von „Prävention“. Doch dann, nur einen Tag später, ein zweiter Vorfall: erneut Einschlaglöcher, dieses Mal in der Fassade eines Wohnhauses. Der Zufall war gestorben. Bürgermeister Juan Jesús Gallardo ruderte daraufhin zurück und gab zu, dass die Lage ernster sei als zunächst dargestellt. Er spricht von Schrotkugeln – den berüchtigten „escopetillas“ –, die hier abgefeuert wurden.
Die Stunde der Wahrheit
Man mag über die naiven Beschwichtigungen des Bürgermeisters lächeln, der aus Sorge vor Hysterie erst abwiegelt. Aber die Fakten sind brutal: Ein Projektil, das eine Glasscheibe durchschlägt, wäre nur ein Haar breit von einem Kindergesicht entfernt gewesen. Es ist nicht der Jäger, der im Wald sein Wild erlegt. Es ist der Depp, der meint, auf dem Dorfplatz ein paar Schüsse abgeben zu müssen.
Der normale Bürger fragt sich zu Recht: Welcher Geisteszustand muss das sein, der eine Waffe in der Nähe einer Schule oder eines Wohnhauses abfeuert? Die Behörden tun gut daran, nicht reflexartig die gesamte Jägerschaft zu verdammen, wie es der Jägerverband vehement fordert. Wer legal auf die Pirsch geht, trägt eine Verantwortung, die tausende Übungsstunden und psychologische Tests erfordert. Ein Krimineller oder ein Unbelehrbarer ist kein Jäger. Er ist ein Waffennarr, der das Recht gefährdet.
Das Ende der Beschwichtigung
Die Botschaft der Gemeinde ist dennoch glasklar: Null Toleranz. Wer im Stadtgebiet schießt, gleich aus welchem Grund, muss mit harten Konsequenzen rechnen. Das ist kein Angriff auf die Tradition der Jagd, sondern ein Bekenntnis zur Sicherheit der eigenen Bevölkerung. Wer diese Grenze nicht versteht, dem ist mit Argumenten nicht zu helfen.
Bemerkenswert ist die Reaktion von Víctor Villalobos, dem Präsidenten der spanischen Jagdaufseher-Vereinigung. Er fordert nicht etwa Nachsicht, sondern Aufklärung und volle Härte des Gesetzes. Das ist die einzig richtige Antwort. Denn eines hat dieser Vorfall gezeigt: Wenn die Warnung kommt, nachdem die Kugeln bereits in den Fenstern stecken, ist es eigentlich schon zu spät.
(Quelle: Diario Sur / AxarquiaPlus)
Quelle: axarquiaplus.es