
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Kataloniens Bahnverkehr kollabiert nach Unwettern
Nur ein Flickenteppich statt Fahrplan
Wer in Katalonien am Mittwochmorgen auf einen Zug der Rodalies hoffte, stand vor verschlossenen Türen. Zwölf von sechzehn Linien des Nahverkehrsnetzes blieben komplett stehen, lediglich die R8 fuhr ohne Einschränkungen. Von einer Normalisierung kann keine Rede sein – und das hat nicht nur mit den Wassermassen der vergangenen Nacht zu tun.
Halber Betrieb, ganze Probleme
Die Bilanz des Chaos-Tages: Die Linien R1, R2 Süd, R3 und R4 kämpfen sich zurück in den Betrieb, aber nur in Ausschnitten. Zwischen L'Hospitalet und Blanes rollt die R1 außerhalb jedes regulären Takts. Die R2 Süd quält sich auf einem Einzelgleis zwischen Sant Vicenç de Calders und Cunit – eine direkte Folge der unterspülten Infrastruktur. Während die R3 auf dem Abschnitt von La Garriga bis Puigcerdà zumindest wieder fährt, pendelt die R4 immerhin zwischen Sant Vicenç de Calders und Barcelona Sants.
Für alle anderen Strecken gilt: Ersatzbusse, wohin das Auge reicht. Oder die Empfehlung, auf private Busunternehmen auszuweichen – ein Armutszeugnis für ein System, das eigentlich das Rückgrat der Mobilität in der Metropolregion bilden sollte.
Ein Störfall namens Arbeitskampf
Doch die eigentliche Provokation folgte am Morgen: Der Fahrplan hätte längst wieder anlaufen können, wären da nicht die Lokführer gewesen. Rodalies-Direktor Òscar Playà berichtete in einem Interview mit Catalunya Ràdio von einem Brief der Gewerkschaftsmehrheit, eingegangen mitten in der Nacht. Die Botschaft war unmissverständlich: Man könne nicht garantieren, dass die Züge überhaupt ausrücken.
Es ist ein Unding, dass die Bevölkerung nach einer Unwetternacht mit den Füßen im Schlamm steht und dann auch noch als Geisel eines Tarifkonflikts missbraucht wird. Wer Infrastrukturprobleme hat, muss sie lösen. Wer aber Streiks anzettelt, während die Region unter den Folgen des Starkregens ächzt, der hat jedes Verständnis der Pendler verspielt. Die Frage ist nicht, ob der Betrieb wieder anläuft – sondern ob dieses marode System den nächsten Ernstfall übersteht.
Wie Europa Press berichtet, bleibt der regionale Bahnverkehr damit ein Spielball von Naturgewalten und Interessenpolitik.
Quelle: europapress.es