
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Kataloniens Bahn kämpft gegen die Fluten
Großaufgebot nach dem Dauerregen
Die spanische Bahninfrastrukturgesellschaft Adif hat eine massive Offensive gestartet, um die Folgen der sintflutartigen Regenfälle seit dem 3. Oktober zu beseitigen. Mit 29 Arbeitsteams, 110 Einsatzkräften und 71 Fahrzeugen – von Kranwagen bis zu Materialtransporten – soll der Betrieb auf dem katalanischen Nahverkehrsnetz Rodalies so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Schäden sind vielerorts gravierend.
Infrastruktur am Limit
Besonders dramatisch war die Lage im Tunnel unter der Plaça de Catalunya in Barcelona: Hier pumpten drei Pumpen 48 Stunden lang ununterbrochen Wasser aus der Röhre. Doch damit nicht genug: Auf der Linie R4 Nord sorgten umgestürzte Bäume und Erdrutsche für Sperrungen, auf der R11 musste ein Baum nahe der Gleise beseitigt werden. Selbst die R1 blieb nicht verschont – zwischen Sant Pol de Mar und Calella rutschte Erdreich auf die Schienen. Die Liste der Schäden liest sich wie ein Inventar der Verwüstung: verstopfte Flussläufe, weggespülter Schotter, auf die Oberleitung gestürzte Bäume.
Kritik an der Konzernstrategie
Während Adif betont, dass das seit Jahresbeginn laufende Maßnahmenpaket mit Investitionen von rund 180 Millionen Euro die Auswirkungen "entscheidend" reduziert habe, drängt sich die Frage auf: Reicht das? Die Regionalregierung unter Verkehrsministerin Sílvia Paneque verspricht zwar, die Teams in den kommenden Tagen aufzustocken und die "am stärksten betroffenen Abschnitte" zu priorisieren. Doch für die tausenden Pendler, die tagelang auf alternative Verkehrsmittel angewiesen waren, dürfte dieser Optimismus wie Hohn klingen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das katalanische Schienennetz seit Jahren unter chronischer Unterfinanzierung leidet.
Ein Tropfen auf den heißen Stein?
Die aktuellen Reparaturarbeiten an den Flüssen Besòs und Ridaura sowie in den Landkreisen Vallès Oriental und Occidental sind zweifellos notwendig. Doch sie bekämpfen Symptome, nicht Ursachen. Wer angesichts des fortschreitenden Klimawandels weiterhin nur auf Reparaturtrupps setzt, statt in eine grundlegende Modernisierung der Infrastruktur zu investieren, wird die nächste Unwetterkatastrophe nicht verhindern können. Die 180 Millionen Euro mögen auf dem Papier beeindrucken – gemessen an den tatsächlichen Erfordernissen eines klimaresistenten Bahnnetzes sind sie jedoch ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie Europa Press berichtet, bleibt die Normalisierung des Fahrplans das vorrangige Ziel – doch die eigentliche Bewährungsprobe steht der Region erst noch bevor.
Quelle: europapress.es