Katalonien feiert tausendjähriges Parlament

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Katalonien feiert tausendjähriges Parlament

von Jonas Beck

Ein parlamentarisches Jubiläum mit aktuellem Anspruch

Die katalanische Parlamentspräsidentschaft hat am Donnerstag das Programm zum tausendjährigen Jubiläum der “Assemblees de Pau i Treva de Déu” (Versammlungen des Gottesfriedens und -waffenstillstands) vorgestellt. Parlamentspräsident Josep Rull betonte in seiner Ansprache, die Feierlichkeiten seien mehr als historische Nostalgie. Stattdessen diene die Erinnerung daran, die Werte von “Frieden, Beratung und Vertrag als Werkzeug zur Konfliktlösung” in die Gegenwart zu tragen und Katalonien kollektiv in die Zukunft zu projizieren. “Wenn wir darauf verzichten, hören wir auf, das zu sein, was wir sind. Wenn wir darauf verzichten, hören wir auf, eine Nation zu sein”, so Rull laut einer Mitteilung des Parlaments.

Die im Jahr 1027 erstmals im heutigen Toulouges (Frankreich) abgehaltenen Versammlungen gelten in der Geschichtswissenschaft als embryonale Form des katalanischen Parlamentarismus. Wie der emeritierte Rechtshistoriker Tomàs de Montagut erläuterte, wurden sie vom kirchlichen Stand initiiert und später von der souveränen Macht, den Grafen von Barcelona, übernommen. Ihr Ziel war es, Perioden der Waffenruhe in den andauernden Fehden des Feudaladels durchzusetzen und ein System von Garantien und Entschädigungen für Klerus und Zivilbevölkerung zu etablieren. Diese rechtlichen Innovationen förderten, so die historische Einschätzung, die Entstehung neuer Siedlungen und Märkte und stimulierten das kommerzielle Leben.

Umfangreiches Programm über mehr als ein Jahr

Der für die Koordination der Gedenkfeier zuständige Kommissar, Manel Vila, skizzierte einen zeitlich weit gespannten Veranstaltungsrahmen. Die Aktivitäten sollen am 10. September 2026, dem katalanischen Nationalfeiertag (Diada), beginnen und am 27. Dezember 2027, dem Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, enden. Das Parlament plant unter dem Titel ‘Mi·lenari de les Assemblees de Pau i Treva de Déu’ eine Reihe von Veranstaltungen.

Höhepunkte werden laut Vila ein Treffen mit Nobelpreisträgern zum Thema Frieden im Herbst 2026 im Parlamentsgebäude sowie ein weiteres Gespräch mit Vertretern verschiedener Religionen über die Rolle des Glaubens und der Gewalt sein. Darüber hinaus sind Zusammenarbeiten mit verschiedenen Ministerien der Regionalregierung (Generalitat), den Provinzialräten von Girona und Lleida, sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen geplant. Geplant sind Ausstellungen, Begegnungen und Bildungsprogramme. Ebenfalls Teil des Programms ist die Verleihung des Internationalen Preises “Barcelona für den Frieden”, der gemeinsam mit der Stadtverwaltung Barcelonas organisiert wird.

Historische Basis und politische Instrumentalisierung

In der historischen Bewertung sind sich die Experten einig: Die Versammlungen von 1027 legten das Fundament für die spätere parlamentarische Tradition Kataloniens. Der Beschluss der Parlamentsführung (Mesa) vom 11. November 2025 zur Durchführung dieser Feier benennt ausdrücklich das Ziel, dieses “Embryo des katalanischen Parlamentarismus” zu würdigen und “das Engagement Kataloniens für den Frieden” hervorzuheben.

Parlamentspräsident Rull verknüpfte diese historische Betrachtung jedoch unmittelbar mit einer gegenwartsbezogenen politischen Aussage. Er bedauerte, dass Katalonien eine Nation sei, der es verwehrt worden sei, ihre eigene Geschichte kennenzulernen. Die aktive Aneignung dieser Geschichte helfe, die Gegenwart zu interpretieren und die Zukunft zu gestalten. In diesem Sinne hat das Parlament auf seiner Website ein Manifest veröffentlicht, dem Bürger beitreten können. Es zielt darauf ab, die katalanische parlamentarische Tradition, ihre rechtlichen und politischen Institutionen sowie das “historische Recht” auf Selbstregierung zu würdigen und offene Dialogräume zu fördern.

Bei der Präsentation waren neben Mitgliedern des Parlamentspräsidiums und Abgeordneten auch die ehemaligen Parlamentspräsidentinnen Carme Forcadell, Laura Borràs und Anna Erra sowie Justizminister Ramon Espadaler anwesend.


Quelle: europapress.es

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