
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Kanaren setzen auf Qualität statt Masse
Die kanarische Tourismusministerin Jéssica de León hat auf der VI. Convention von Turespaña in Zaragoza eine klare Kurskorrektur für den Tourismus auf den Inseln angemahnt. Die Zukunft liege nicht in immer höheren Besucherzahlen, sondern in einem Modell, das mehr Wert schöpfe, ohne die Ressourcen weiter zu belasten. „Die Herausforderungen sind nicht auf allen Inseln gleich“, betonte de León und verwies auf die unterschiedlichen Ausgangslagen innerhalb des Archipels.
Während die Hauptinseln sowie Lanzarote und Fuerteventura vor allem daran arbeiten müssten, Besucherströme besser zu lenken und den Wert pro Gast zu steigern, sehen die Verantwortlichen auf den sogenannten grünen Inseln noch Potenzial für weiteres Wachstum. Das erklärte Ziel der Regionalregierung sei es, die touristische Stärke zu halten, gleichzeitig aber den Druck auf Umwelt und Infrastruktur zu reduzieren. Drei Säulen stünden dabei im Mittelpunkt: das Wohlstandsniveau der Bevölkerung, die Regeneration der Naturräume und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche.
Konkret bedeutet das nach den Worten der Ministerin, dass ein größerer Teil der tourismusbedingten Wertschöpfung in der lokalen Wirtschaft ankommen soll. Gastronomie, Kultur, Freizeitangebote oder Mobilität könnten davon profitieren. Ebenso sollen kanarische Unternehmen und Zulieferer stärker in die Wertschöpfungskette eingebunden werden. Auch digitale Plattformen und internationale Reiseveranstalter müssten eine engere wirtschaftliche und steuerliche Bindung an den Archipel aufbauen.
De León stellte jedoch klar, dass dieser Qualitätsanspruch nicht in einen reinen Luxustourismus münden dürfe. Die Kanaren blieben ein zugängliches Reiseziel für eine breite europäische Nachfrage. Es gehe vielmehr darum, das Gesamterlebnis zu verbessern. Eine Gefahr sieht die Ministerin allerdings in steigenden Fluggebühren, die die Anbindung und Wettbewerbsfähigkeit der Inseln schwächen könnten.
Ein zentraler Baustein der neuen Strategie ist die Erschließung zusätzlicher Quellmärkte, wobei die traditionellen Märkte in Großbritannien und Deutschland nicht vernachlässigt werden sollen. Als Beispiel nannte de León Kanada: Seit Oktober gibt es neue Direktverbindungen nach Teneriffa und Gran Canaria. Kanadische Gäste bleiben im Schnitt 15 Tage – deutlich länger als der Durchschnitt aller Urlauber mit neun Tagen – und verfügen über eine hohe Kaufkraft. Ihr Interesse gelte vor allem Landschaft, Küche und Kultur.
Darüber hinaus setzt die Strategie auf eine stärkere inhaltliche Segmentierung. Fünf Bereiche stehen im Fokus: Strand und Sonne in einer gehobenen Variante, Natur, Sport, Kultur sowie Geschäftsreisen. Innerhalb dieser Felder sollen gezielt Angebote für Premiumreisende, Trainingslager oder regenerativen Tourismus entwickelt werden. Ein Urlauber könne schließlich zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Motive haben, so de León. Es gelte, für jeden Anlass das passende Angebot zu schaffen. Auf der Veranstaltung in Saragossa, an der mehr als 500 Fachleute teilnahmen, ging es auch um die Digitalisierung der Branche und die künftige Ausrichtung auf den Fernmärkten.
Quelle: europapress.es