Kanaren müssen um jeden Gast kämpfen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kanarische Inseln

Kanaren müssen um jeden Gast kämpfen

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Die fetten Jahre sind vorbei

Die Kanarischen Inseln stehen vor einer Bewährungsprobe. Tourismusministerin Jessica de León hat die schöne Fassade eingerissen und Klartext gesprochen: 18 Millionen Urlauber pro Jahr sind keine Selbstverständlichkeit, sondern ein täglicher Kampf. Wer glaubt, die Inselgruppe sei aufgrund ihrer geografischen Nähe zu Europa automatisch das Ziel der Begierde, der irrt gewaltig. Die Realität ist unbequemer – und die Konkurrenz schläft nicht.

Besonders der Blick auf die kommende Wintersaison sorgt für Unruhe in der Branche. Während die Kanaren noch von ihrer Sonne schwärmen, steuern wichtige Airlines um. So verlagert etwa die britische Fluggesellschaft Jet2 ihre Kapazitäten vermehrt in günstigere Gefilde – nach Ägypten oder Marokko. Der Grund ist simpel: Dort bekommen Urlauber für ihr Geld mehr Gegenwert. Die Kanaren hingegen leiden unter explodierenden Kerosinpreisen, die Flugtickets in schwindelerregende Höhen treiben, und einer EU-Politik, die mit immer neuen Abgaben das Reisen in die EU zusätzlich verteuert.

Der Staat lässt die Inseln hängen

Doch nicht nur externe Faktoren machen der Tourismusbranche zu schaffen. De León holt in ihrer Kritik auch zum staatlichen Rundumschlag aus: Seit Jahren schuldet die Zentralregierung von Pedro Sánchez den Inseln 15 Millionen Euro für Tourismusinfrastruktur – ein Betrag, der im Bundeshaushalt zwar eingeplant, aber nie ausgezahlt wurde. Ein fatales Signal in Zeiten, in denen die Inseln dringend in ihre Attraktivität investieren müssten, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Die Bilanz ist ernüchternd: Als einzige spanische Autonomieregion verzeichnen die Kanaren einen Rückgang ausländischer Gäste. Der oppositionelle Abgeordnete Casimiro Curbelo von der ASG bringt das Tabu auf den Punkt: Die Kanaren sind dabei, ihre Position als Liebling der Sonnenhungrigen zu verlieren. Inflation und hohe Ticketpreise haben die Nachfrage aus den wichtigsten Quellmärkten – Deutschland und Großbritannien – massiv gedämpft.

Kreativität statt Bettenburgen

Doch die Probleme liegen tiefer als in der aktuellen Krisensituation. Es geht um die Frage, wie die Inseln in Zukunft aufgestellt sind. Städtebaulicher Wildwuchs durch ständige Planänderungen prägt vielerorts das Bild. Die Vision der perfekten Insel scheint abhandengekommen zu sein. Statt Co-working-Spaces, qualitativ hochwertigen Angeboten und durchdachter Stadtentwicklung dominieren ausufernde Hotelkomplexe und Bettenburgen.

Der Appell ist unmissverständlich: Wer die goldene Gans schlachtet, wird keine Eier mehr bekommen. Das Bewusstsein dafür scheint zu wachsen, dass es jetzt darum geht, die Qualität der Angebote zu steigern, anstatt krampfhaft an ausufernden Mengen festzuhalten. Der Winter wird ein erster Lackmustest – und ein Indikator dafür, ob die Inseln die Zeichen der Zeit erkannt haben. Wie die Europa Press berichtet, warnt die Ministerin bereits vor der fundamentalen Bedeutung der bevorstehenden Saison, um die Verluste des laufenden Jahres auszugleichen. Die Stabilität im Nahen Osten bleibt ein weiterer Unsicherheitsfaktor, der die Buchungslage für die kommenden Monate mitbestimmen wird. Die Kanarischen Inseln müssen sich warm anziehen – die goldene Zukunft liegt nicht im bloßen Anspruch, sondern im täglichen Beweis ihrer Wettbewerbsfähigkeit.


Quelle: europapress.es

Mehr aus Kanarische Inseln & Spanien