Kanaren garantieren Miete bei Zahlungsausfall

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kanarische Inseln

Kanaren garantieren Miete bei Zahlungsausfall

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein radikaler Plan gegen den Leerstand

Während in Spanien landesweit über schärfere Mietpreisbremsen und Enteignungsdebatten gestritten wird, schlägt die Kanarische Regierung einen anderen Weg ein: Sie will Wohnungseigentümer mit einem staatlichen Rundum-Sorglos-Paket ködern. Wer seine leerstehende Immobilie auf den Inseln dem neuen Programm „Vivacan“ zur Verfügung stellt, dem garantiert die öffentliche Hand im Extremfall bis zu drei Jahre lang die Zahlung der Miete – selbst wenn der Mieter keinen Cent überweist.

Das klingt nach einem Vollkasko-Vertrag für Vermieter. Und genau das ist beabsichtigt. Die Inselregierung hat erkannt, dass Appelle allein keine Wohnungen auf den Markt bringen. Die Angst vor zahlungsunfähigen Mietern und langwierigen Räumungsverfahren lähmt viele Eigentümer. Genau diese Angst will der zuständige Consejero Pablo Rodríguez nun mit einem dicken Sicherheitsnetz neutralisieren.

Das Modell: Sicherheit statt Zwang

Das Programm, das über die öffentliche Wohnungsbaugesellschaft Visocan abgewickelt wird, setzt auf Anreize statt auf Sanktionen. Eigentümer erhalten nicht nur die besagte Ausfallgarantie, sondern auch kostenlose Beratung bei der Festsetzung des Mietpreises, Unterstützung bei der Auswahl „solventer“ Mieter und rechtliche Begleitung bis zur Vertragsunterzeichnung. Selbst die Erstellung des Übergabeprotokolls übernimmt der Service. Die Botschaft an die Eigentümer ist klar: Überlasst uns den Ärger, wir sorgen für eure Rendite.

Für Wohnungssuchende bietet die Plattform unter www.vivacan.es eine Übersicht verfügbarer Immobilien, aufgeteilt nach Inseln, Gemeinden und Preisklassen. Auch sie erhalten kostenlose Beratung, etwa zu den Feinheiten des spanischen Mietrechts (LAU). Ein begleitender Mediationsservice soll Konflikte während der Vertragslaufzeit im Idealfall schon im Keim ersticken.

Kritik an der Wirksamkeit ist programmiert

So clever die Maßnahme auf den ersten Blick erscheint, so sehr wird sie den Widerspruch derjenigen herausfordern, die in der Mobilisierung von Leerstand nur einen Tropfen auf den heißen Stein sehen. Die eigentliche Frage bleibt: Wie viele Eigentümer werden tatsächlich anbeißen? Die Zahl der leerstehenden Wohnungen auf den Kanaren wird auf mehrere Zehntausend geschätzt – doch viele davon sind renovationsbedürftig, befinden sich in rechtlichen Grauzonen oder liegen in Gegenden mit geringer Nachfrage. Ob die Garantie von drei Jahren hier den entscheidenden Anreiz bietet, darf bezweifelt werden.

Zudem könnte das Programm unbeabsichtigt einen Fehlanreiz setzen: Warum sollte ein Eigentümer noch an einen langfristig planenden, zuverlässigen Mieter vermieten, wenn der Staat ohnehin für drei Jahre geradesteht? Die Ausfallgarantie könnte also genau das Verhalten fördern, das sie eigentlich verhindern will – die risikolose Vermietung an zahlungsschwache Haushalte, ohne die nötige Sorgfalt bei der Auswahl walten zu lassen. Die Regierung kontert diesen Einwand mit der versprochenen professionellen Mieterauswahl durch Visocan. Ob das in der Praxis hält, wird sich zeigen.

Ein erster Schritt, kein Allheilmittel

Die Inselregierung versteht „Vivacan“ als Teil einer größeren Strategie, die neben der Aktivierung von Leerstand auch den Bau neuer Sozialwohnungen vorsieht. Immerhin: Das Programm ist eines der wenigen in Spanien, das nicht nur auf Verbote und Kontrollen setzt, sondern auf Kooperation mit privaten Eigentümern. Die kostenlose Beratung und die Übernahme des bürokratischen Aufwands sind konkrete Vorteile, die viele Vermieter bislang schmerzlich vermisst haben dürften.

Ob das Modell Schule macht, hängt nun von der Resonanz ab. Die ersten Daten zur tatsächlichen Zahl der Leerstände sollen zudem eine bessere Datengrundlage für künftige Politiken liefern. Das ist lobenswert – denn bisher tappt Spanien bei der Frage, wie viele Wohnungen wirklich leerstehen, weitgehend im Dunkeln. Wie das Nachrichtenportal Europa Press berichtet, ist der operative Betrieb bereits an ein privates Dienstleistungsunternehmen vergeben worden. Die Website ist online, die Beratung in allen acht Inseln gestartet. Jetzt kommt es auf die Eigentümer an. Worte und Garantien sind ausgesprochen – nun müssen Taten und Wohnungen folgen.


Quelle: europapress.es

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