Kanaren fordern mehr Küstenkompetenzen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kanarische Inseln

Kanaren fordern mehr Küstenkompetenzen

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Archipel will selbst bestimmen

Madrid diktiert, die Inseln zahlen die Rechnung – dieser Frust schwingt in der neuen Initiative der kanarischen Regionalregierung mit. Der zuständige Minister für öffentliche Arbeiten, Pablo Rodríguez, hat nun klargestellt, was viele lange fordern: Die Kanaren brauchen endlich mehr Befugnisse, um ihre eigene Küste zu verwalten. Ein bloßes Anpassen der bestehenden Regeln reiche nicht aus, so Rodríguez beim ersten Küstenkongress der Inseln. Die aktuelle Übertragung von Zuständigkeiten sei schlicht „unzureichend“, um den besonderen Gegebenheiten des Archipels gerecht zu werden.

Ein Gesetz aus der Region, für die Region

Im Zentrum der Debatte steht der Entwurf eines eigenen Küstengesetzes für die Kanaren. Dieses soll nicht etwa das nationale Recht aushebeln, sondern es an die Realität der Inseln anpassen. Der Katalog der Forderungen ist lang: von der Planung über die Verwaltung der Strände bis hin zum Schutz der Küstenräume. Besonders pikant ist der Hinweis darauf, dass andere spanische Regionen längst über mehr Instrumente verfügen als die Kanaren. Rodríguez verweist auf jahrhundertelange Traditionen – Fischerei, Dörfer am Meer, ein Leben mit dem Ozean. Wer hier von oben herab entscheide, ignorierte diese Realität.

Wenn der Staat zu weit weg ist

Der Teufel steckt im Detail, und genau dort setzt der Gesetzentwurf an. Francisco Villar, Professor für Verwaltungsrecht an der Universität La Laguna, skizziert die Kernpunkte: Charcos – die natürlichen Felsenbecken – und Piscinas Naturales sollen eine eigene rechtliche Kategorie erhalten, denn sie unterscheiden sich grundlegend von klassischen Sandstränden. Auch historische Küstensiedlungen sollen anerkannt und geschützt, aber nicht weiter ausgebaut werden. Das Gesetz zielt zudem auf klarere Regeln für Zugangswege zum Meer und die Frage, welche Bauten in Küstennähe künftig erlaubt sein sollen. Der Entwurf will damit jahrelange Interpretationsschlachten beenden und den Kommunen endlich Planungssicherheit geben.

Mehr als nur ein Kompetenzgerangel

Hinter dem Vorstoß steckt mehr als administrative Eitelkeit. Die Kanaren verstehen sich als Pioniere einer integrierten Meerespolitik. Die neu geschaffene Direktion für Küsten und Meeresraum soll den Kurs vorgeben. Das Gesetz betont den öffentlichen Nutzen des Litorals, verknüpft Umweltschutz mit der Sicherheit der Anwohner und setzt auf Beteiligung – etwa über ein geplantes Küstenforum. Rund 200 Fachleute diskutierten auf dem Kongress in Gran Canaria über die Herausforderungen. Ihr Signal an Madrid ist eindeutig: Die Zeiten, in denen einheitliche Regelungen vom Festland über die Köpfe der Insulaner hinweg beschlossen werden, sollen bald der Vergangenheit angehören. Der Entwurf liegt nun auf dem Tisch – und der Ball im Feld der Zentralregierung.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, wird der Gesetzesentwurf nun in einem Beteiligungsprozess weiterentwickelt.


Quelle: europapress.es

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