Kanaren fordern Ende der Passivität

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kanarische Inseln

Kanaren fordern Ende der Passivität

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Déjà-vu mit Ansage

Während Madrid weiterhin auf den Ernstfall zu warten scheint, zeichnet sich an Spaniens Südküste längst die nächste Belastungsprobe ab. Die Zahlen sind eindeutig: Seit Anfang September bis zum 11. Oktober wurden auf den Kanarischen Inseln rund 3.800 Migranten registriert – etwa ein Drittel der Jahreshauptgesamtheit. Doch statt eines koordinierten Krisenmanagements erlebt die Inselbevölkerung eine Regierung, die sich in Schweigen hüllt, obwohl die Warnsignale seit Monaten sichtbar sind.

Der Staat schaut weg – die Inseln zahlen

Cristina Valido, Spitzenkandidatin von Coalición Canaria für den Congreso, bringt es auf den Punkt: Eine Migrationskrise beginnt nicht erst dann, wenn die Aufnahmelager überquellen – sie beginnt in dem Moment, in dem die Vorbeugung versagt. Diese Definition trifft den Nerv der aktuellen Lage. Besonders brisant: Allein 499 Kinder und Jugendliche kamen seit September an, davon 432 unbegleitet. Wer hier von einem kontrollierten Prozess spricht, verkennt die Realität.

Die Kritik der Nationalisten richtet sich nicht gegen die Migranten, sondern gegen eine Politik, die sich in Reaktionen erschöpft, statt zu agieren. Madrid, so der Vorwurf, habe genügend Informationen gehabt, um die Verschiebung der Migrationsrouten und den Anstieg der Abfahrten von Marokko, Senegal, Gambia und Guinea-Bissau zu antizipieren. Passiert ist – nichts.

Fünf Punkte, eine klare Ansage

Coalición Canaria legt nun einen Forderungskatalog vor, der sich gewaschen hat. Ersten: eine sofortige Aufstockung der Überwachungs- und Kontrollmittel an der Atlantikroute – mehr Schiffe, Flugzeuge, Technik für Guardia Civil und Policía Nacional. Zweitens: die formelle Anforderung eines verstärkten Frontex-Einsatzes bei der EU-Kommission, inklusive Aufklärungsflugzeugen und Spezialteams. Drittens: die Aktivierung der Solidaritätsmechanismen des EU-Migrationspakts, damit die Last nicht weiter auf den Schultern der Kanaren liegt. Viertens: eine internationale Polizeioffensive – gemeinsam mit Spanien, Marokko, Mauretanien, Senegal und Gambia sowie Europol – um die Schleppernetzwerke finanziell auszutrocknen und zu zerschlagen. Fünftens: eine diplomatische Initiative mit den Herkunftsländern, bevor die nächste Welle losrollt.

Der Kern der Botschaft: Schluss mit der Symbolpolitik. Valido kontert damit auch die simple Forderung des Partido Popular nach einem Militäreinsatz. Wer glaubt, Soldaten an den Stränden lösten das Problem, verkennt die Komplexität der Lage. Grenzschutz bedeutet heute Hightech-Überwachung, internationale Zusammenarbeit und geheimdienstliche Arbeit – nicht Kanonenboot-Romantik.

Ein Weckruf an die EU

Spanien, so die unmissverständliche Erwartung, müsse endlich die Führungsrolle übernehmen, die seiner geopolitischen Lage entspricht. Die Situation ist kein temporärer Ausnahmezustand, sondern ein strukturelles Phänomen. Wer darauf mit Ad-hoc-Maßnahmen reagiert, handelt fahrlässig. Die Kanarischen Inseln können sich einen weiteren Wiederholungsfehler nicht leisten – die Geduld der Bevölkerung ist am Ende.

Die Frage, die Madrid nun beantworten muss, ist nicht, ob man die Berichte aus Santa Cruz zur Kenntnis nimmt. Die Frage ist, ob die Regierung bereit ist, ihre Komfortzone zu verlassen und endlich zu handeln – oder ob sie weiter zuschaut, während die Wellen höher schlagen. Wie die Europäische Presseagentur Europa Press berichtet, bleibt die Lage an den Küsten El Hierros und Lanzarotes angespannt – und die Zeit für halbherzige Gesten ist abgelaufen.


Quelle: europapress.es

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