Junge Spanier scheitern am Wohnungsmarkt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Junge Spanier scheitern am Wohnungsmarkt

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Jugendliche in der Wohnungsfalle

Die Wohnungskrise in Spanien zeigt immer tiefere Risse. Laut dem dritten Wohn-Barometer des Rates für Technische Architektur (CGATE) und des Meinungsforschungsinstituts GAD3 sind aktuell zwei von drei Menschen unter 30 Jahren auf externe Hilfe angewiesen, um den Schritt in die eigenen vier Wände zu schaffen. In den meisten Fällen springt dabei das Elternhaus mit finanziellen Mitteln ein.

Der Präsident von GAD3, Narciso Michavila, sprach bei der Vorstellung der Studie von einer „Ungleichheitslücke, die aus dem Fehlen von Wohnraum resultiert". Besonders betroffen sind Geringverdiener und junge Erwachsene, während nur Menschen mit höheren Einkommen überhaupt noch eine Chance auf dem Markt haben. Im Vergleich zu früheren Generationen wird die Entwicklung deutlich: Während heute die Mehrheit der Jungen auf Unterstützung angewiesen ist, konnten damals sechs von zehn Über-65-Jährigen aus eigener Kraft einen Haushalt gründen.

Eigentum bleibt der Traum

Dennoch haben sich die Wünsche kaum verändert. Fast ein Drittel der Befragten plant, innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Immobilie zu kaufen oder zu mieten - wobei der Kauf klar bevorzugt wird. Michavila widerspricht damit dem Bild des jungen Menschen, der das Wohnen zur Miete bewusst wählt. „Der Wunsch der meisten jungen Leute entspricht dem Modell, das ihre Großeltern noch leben konnten: eine stabile Familie, ein sicherer Job und Eigentum", so der Experte.

Der Mietmarkt hat zwar in den vergangenen Jahren als Alternative an Bedeutung gewonnen, doch die Hürden bleiben hoch. Ein Drittel der Mieter bewertet die Zugangsbedingungen wie Mietpreise, Kautionen oder Zusatzkosten als schwierig bis sehr schwierig. Mehr als die Hälfte aller Befragten hat bereits auf eine Wohnung verzichtet, weil sie diese Anforderungen nicht erfüllen konnte - bei den unter 30-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei alarmierenden 70 Prozent.

Leben wird auf Eis gelegt

Als größtes Hindernis nennen 41 Prozent der Befragten finanzielle und berufliche Probleme beziehungsweise fehlendes Einkommen. Aber auch die mangelnde Auswahl an passendem Wohnraum spielt mit 32 Prozent eine wichtige Rolle. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben dabei weitreichende soziale Folgen: 38 Prozent der Betroffenen berichten, dass ihre Situation zu mangelnder persönlicher Stabilität führt, 26 Prozent sehen ihre Lebensplanung ausgebremst.

Michavila zieht hier eine direkte Verbindung zu demografischen Trends: „Es ist kein Zufall, dass Spanien zu den Ländern mit der niedrigsten Geburtenrate der Welt gehört. Das hängt direkt damit zusammen." Die Probleme beschränken sich jedoch nicht nur auf den Zugang zu Wohnraum. CGATE-Präsident Alfredo Sanz weist darauf hin, dass auch die Qualität des Wohnens eine zentrale Rolle spielt. „Es gibt Wohnungen, die die Würde fördern, und solche, die sie einschränken", sagt er und fordert, die Architektur müsse sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen.

Sanierungsstau und Einsamkeit

Mehr als die Hälfte der Spanier (53 Prozent) leidet nach eigenen Angaben unter Mängeln in der eigenen Wohnung. Am häufigsten genannt werden Probleme, die Wohnung im Winter oder Sommer auf eine angemessene Temperatur zu bringen. Jeder vierte Befragte, der Renovierungsbedarf sieht, kann sich die nötigen Arbeiten nicht leisten - unter Mietern ist dieser Anteil mit 60 Prozent besonders hoch.

Die Studie zeigt außerdem einen besorgniserregenden Zusammenhang zur sozialen Isolation auf: 19 Prozent der Befragten fühlen sich häufig oder immer einsam. Bei vier von zehn dieser Personen spielen die Gegebenheiten der eigenen Wohnung dabei eine entscheidende Rolle. Da die Wohnungsfrage für 54 Prozent der Spanier das wichtigste Problem darstellt, setzen die Befragten ihre Hoffnungen vor allem in drei Lösungsansätze: den Ausbau des öffentlichen Wohnungsbestands mit bezahlbaren Mieten (25 Prozent), eine Begrenzung der Mietpreise (23 Prozent) sowie eine Senkung der Steuern und Abgaben auf Immobilien (20 Prozent). Wie das Magazin 20 Minutos berichtet, zeichnet der Barometer damit ein düsteres Bild der Wohnsituation im Land.


Quelle: 20minutos.es

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