Jugendwohnen: Madrid gegen PSOE

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Jugendwohnen: Madrid gegen PSOE

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Schattenboxen um die 18-Prozent-Hürde

Wenn die Zahlen nicht passen, muss die Deutung her. In der Comunidad de Madrid liefern sich die Regierungspartei PP und die oppositionellen Sozialisten einen rhetorischen Schlagabtausch um die Zukunft der jungen Generation. Im Zentrum des Gefechts: die magische Grenze von 18 Prozent. Während die eine Seite darin den Beweis für ein funktionierendes System sieht, entlarvt die andere ihn als bloße Augenwischerei. Es geht um nichts weniger als die Frage, ob Madrid seinen Jugendlichen eine echte Bleibe bietet oder nur eine teure Illusion.

Ein Etappensieg mit Schönheitsfehlern

Die Regionalverwaltung trumpft mit einer Emanzipationsquote von rund 18 Prozent auf und verweist damit auf den spanienweiten Schnitt von lediglich 14,5 Prozent. Diese Zahlen, so die Lesart der Direktorin für Jugendpolitik, Silvia Valmaña, belegten den Erfolg des Madrider Arbeitsmarktes. Die Jugendarbeitslosigkeit liege fast acht Punkte unter dem Landesdurchschnitt, zudem seien die Gehälter mit einem Plus von 6,7 Prozent doppelt so stark gestiegen wie die im Zuständigkeitsbereich der Zentralregierung. Ein Argument, das durchaus Gehör findet, wäre da nicht der Einwand der Opposition. Der sozialistische Abgeordnete Horacio Díez kontert knochentrocken: Die wahre Zahl sei 17,9 Prozent und nicht die freundlich gerundeten 18. Ein Unterschied von einem Zehntelprozentpunkt mag nach Haarspalterei klingen, doch in der aufgeheizten Stimmung des Wahlkampfes ist jedes Detail eine potenzielle Waffe.

Der Plan Vive in der Kritik: Mietpreise, die niemand zahlen will

Die Attacken der Sozialisten zielen allerdings tiefer. Es sei bezeichnend, dass ausgerechnet die Flaggschiff-Initiativen der Region unter ihren eigenen Ansprüchen leiden. Konkret: Wohnungen aus dem „Plan Vive“ in der Gemeinde Las Rozas sollen monatliche Mieten von über 1.600 Euro verlangen. Da verliert selbst das schönste Konzept von „bezahlbarem Wohnraum“ seine Glaubwürdigkeit. „Wir brauchen keine Marketing-Aktionen mit dem ersten Schlüssel oder dem ersten eigenen Abendessen“, höhnt der Abgeordnete und trifft damit den Nerv einer Generation, die sich zwischen bröckelnden Fassaden und explodierenden Nebenkosten abmüht.

PR-Erfolg statt echter Wohnungspolitik?

Der Vorwurf wiegt schwer: Die Region habe die Wohnungsfrage zur Imagefrage degradiert. Unterstützung erhält diese These durch den Verweis auf die jüngsten Proteste in der Hauptstadt. Ausgerechnet unter dem Dach der Präsidentin Isabel Díaz Ayuso fanden die ersten Demonstrationen statt – damals, als dort noch ein sechs Millionen Euro teures Apartment aus öffentlichen Mitteln zur Debatte stand. Der PSOE interpretiert dies als Beleg für eine Politik, die Wohnraum als Spekulationsobjekt und nicht als öffentliches Gut begreift. Die Antwort aus der Regionalregierung fällt scharf aus: Man kontert mit dem Vorwurf, die Sozialisten hätten selbst Menschen wegen Mietrückständen vor die Tür gesetzt, während sie auf Demonstrationen Solidarität heuchelten. Ein Vorwurf in einer politischen Kultur, in der Schlagabtausche auf der Klinge des Messers ausgetragen werden.

Verpasste Chancen? Die Blockadehaltung in Madrid

Der eigentliche Skandal sei jedoch ein anderer: das Verhalten der Volkspartei im nationalen Kongress. Die konservativen Stimmen der Region hätten einer Reihe von Dekreten zur Wohnungs- und Mietpreisbremse eine Absage erteilt. Aus Sicht der Sozialisten wurde damit eine Jahrhundertchance verspielt, um Spekulationen einen Riegel vorzuschieben und den Wohnungsmarkt nachhaltig zu regulieren. Die Regionalregierung sieht das naturgemäß anders – sie verweist auf ihre eigenen milliardenschweren Programme zur Eigentumsförderung mit hundertprozentigen Hypotheken für Ersterwerber. Ob sich in diesem Haushaltsstreit noch ein gangbarer Weg finden lässt, bleibt fraglich. So steht am Ende ein erbitterter Grabenkrieg zwischen zwei politischen Lagern, die von gegensätzlichen Weltbildern geprägt sind und in dem der Wohnungskampf längst zum Symbol des größeren Machtkampfes geworden ist.

Quellen: Europa Press, Observatorio de Emancipación des Consejo de la Juventud de España


Quelle: europapress.es

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