
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Jerez kämpft um seine MotoGP-Zukunft
Ein Volltreffer mit angezogener Handbremse
Es ist ein Paradoxon: Ausgerechnet der Schauplatz, den die Motorsport-Fans liebevoll als „Tempel des Motorradsports“ bezeichnen, muss um sein Fortbestehen kämpfen. Während Jerez de la Frontera mit dem Großen Preis von Spanien die absolute Krone des Sports auf seiner Strecke präsentiert, droht dem Circuito de Jerez-Ángel Nieto im Hintergrund der Boden unter den Füßen wegzuziehen. Die Rechnung für die Zukunft ist komplex, und Bürgermeisterin María José García-Pelayo hat nun die Forderungen auf den Tisch gelegt.
Sicherheit hat ihren Preis
Der jüngste Besuch der Weltmeisterschaft der Superbikes in Andalusien war nicht nur ein sportliches Spektakel, sondern auch ein Weckruf. Die Internationale Motocross-Föderation (FIM) hat ihre Sicherheitsauflagen erheblich verschärft, und Jerez muss liefern. Wie die Bürgermeisterin betont, sind es nicht nur Kosmetikmaßnahmen: Acht der dreizehn Kurven mussten bereits in den vergangenen Jahren umgebaut werden, Kurve vier folgt im nächsten Jahr. Nun steht das größte Investitionspaket seit Jahren an: Boxen, Paddock und ein neuartiges medizinisches Zentrum werden gebaut. Das hat Konsequenzen – der Lauf zur Superbike-WM 2027 fällt der Baustelle zum Opfer, 2028 soll man in Jerez aber wieder Vollgas geben.
Dieser Kraftakt ist jedoch nicht zum Nulltarif zu haben. Während die FIM die Latte immer höher legt, sucht die Stadt händeringend nach Geldgebern. Die Fronten sind klar: Das Bündnis aus Rathaus und Regionalregierung der Junta de Andalucía stemmt die Last. Von der spanischen Zentralregierung hingegen kommt – Fehlanzeige. García-Pelayo geizt nicht mit Kritik: „Wir wollen Montmeló nichts wegnehmen“, stellt sie klar, „aber wir fordern dieselbe Unterstützung.“ Der Verweis auf die staatlichen Millionen für die Rennstrecken in Katalonien und Valencia sitzt tief. Es ist ein Gefälle, das die Bürgermeisterin nicht länger hinnehmen will.
Ein Deal mit doppeltem Boden
Dabei hat Jerez durchaus etwas vorzuweisen. Die Zusage, den MotoGP-Grand-Prix bis 2031 zu sichern, ist ein starkes Pfund. Doch dieser Erfolg hat einen Beigeschmack: Er ist ein Joint Venture – getragen von der lokalen Politik und der Junta, ohne die wirtschaftliche Beteiligung des Staates. Die Bürgermeisterin lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein kann. „Es ergibt keinen Sinn“, so ihre Forderung an Madrid, „dass der Grand Prix von Spanien nicht auf die Beteiligung der spanischen Regierung zählen kann.“ Mit der Unterschrift unter das neue Abkommen, die noch in diesem Jahr erfolgen soll, will man nun Nägel mit Köpfen machen und auch die Hauptstadt endlich in die Pflicht nehmen.
Die Botschaft aus dem Süden ist unmissverständlich: Jerez hat den Willen und die Infrastruktur, um Weltklasse zu bleiben. Nun muss sich zeigen, ob auch die Politik in Madrid bereit ist, ihren Beitrag zu leisten – oder ob sie zulässt, dass aus dem „Tempel“ eine Bauruine für die Ewigkeit wird.
Quelle: europapress.es