Jeder fünfte Senior in Andalusien fühlt sich isoliert

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Granada

Jeder fünfte Senior in Andalusien fühlt sich isoliert

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Kritik an der Pflegepolitik der Regionalregierung

Die andalusische Gewerkschaft Comisiones Obreras (CCOO) schlägt Alarm: Rund 20 Prozent der älteren Menschen in der Region leben in unfreiwilliger Einsamkeit. Bei der Vorstellung ihres neuen Sozialberichts über Senioren in Granada forderten die Gewerkschaftsvertreter die Regionalregierung zum Handeln auf. Insbesondere die Umsetzung des Pflegegesetzes (Ley de Dependencia) bleibt aus Sicht der Gewerkschaft weit hinter den Anforderungen zurück.

Dramatische Wartezeiten mit tödlichen Folgen

Die Zahlen, die CCOO präsentierte, sind ernüchternd: Im Schnitt dauert es 432 Tage, bis über einen Antrag auf Pflegeleistungen entschieden wird – gesetzlich vorgeschrieben wären höchstens sechs Monate. Diese Verzögerungen haben laut Gewerkschaft fatale Konsequenzen: Alle 15 Minuten stirbt in Spanien ein Mensch, der noch auf seine Begutachtung wartet. Allein im August verloren in Andalusien 440 Personen ihr Leben, bevor sie die ihnen zustehende Unterstützung erhielten.

Finanzielle Schieflage und strukturelle Probleme

Alfonso Vidán, Generalsekretär der Pensionistenvereinigung von CCOO Andalusien, kritisierte zudem die wachsende Ungleichheit. Die Lebenserwartung in der Region liegt zwar bei 82 Jahren, doch die durchschnittliche Rente ist um 130 Euro niedriger als im Rest des Landes. Die Gewerkschaft bemängelt außerdem die ungleiche Kostenverteilung: Offiziell trage die Regierung 62 Prozent der Pflegekosten, faktisch zahlten die Betroffenen jedoch die Hälfte über Zuzahlungen selbst.

Forderungen nach Investitionen und besserer Ausbildung

Die Gewerkschaft verlangt von der Junta de Andalucía dringend mehr Personal für die Begutachtungsverfahren und den Ausbau der Infrastruktur. Konkret fordern die Verantwortlichen den Bau von 2.630 neuen Pflegeheimplätzen, um die Wartelisten abzubauen. Zudem setzt sich CCOO für eine Professionalisierung des Pflegesektors ein. Inmaculada Sánchez von der Abteilung Sozialpolitik betonte: "Wir brauchen qualifizierte Arbeitsplätze, damit die Pflege nicht weiterhin vor allem von Familien und Frauen übernommen wird." Auch die bestehenden Zentren für aktive Senioren sollten besser genutzt werden, um der Vereinsamung entgegenzuwirken.

Die Zahlen des Berichts zeichnen ein düsteres Bild für die Zukunft: Bereits heute stellen die über 65-Jährigen 19,6 Prozent der andalusischen Bevölkerung – rund 1,6 Millionen Menschen. Bis 2050 könnte dieser Anteil auf 40 Prozent steigen, wie die Gewerkschaft mit Verweis auf ihre Studie warnt. Wie die Gewerkschaft bei der Vorstellung des Observatorio Social de las Personas Mayores in Granada berichtete, ist die Lage besonders in ländlichen Gebieten angespannt.


Quelle: europapress.es

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