Ja, es ist ein politisches Gemetzel in Madrid

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Ja, es ist ein politisches Gemetzel in Madrid

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Provokation oder Bedrohung? Der Ton wird schärfer

In der spanischen Hauptstadt eskaliert der politische Konflikt auf einem neuen Niveau. Was wie ein verbaler Schlagabtausch im Regionalparlament begann, hat nun ein juristisches Nachspiel. Die konservative Partei PP (Partido Popular) hat Strafanzeige gegen Manuela Bergerot, Sprecherin der linken Bewegung Más Madrid, gestellt. Der Vorwurf: „Bedrohungen“.

Die Gemüter erhitzten sich, als Bergerot im Plenum nach dem tragischen Tod einer Frau bei einer Zwangsräumung erklärte: „In den Straßen von Madrid wird es keinen Frieden geben.“ Genau diese Worte interpretiert der PP als direkte Drohung. Parteisekretär Alfonso Serrano wittert einen Angriff auf die öffentliche Ordnung und zieht vor die Polizei.

Die Rolle des Provokateurs

Besonders pikant: Die Reaktion der Konservativen war keineswegs zurückhaltend. Parlamentssprecher Carlos Díaz-Pache forderte Bergerot in unverhohlener Manier auf, ihr angebliches Gewaltpotenzial doch bitte zu konkretisieren – man solle ihn und seine Kollegen doch „ruhig physisch bedrohen“. Eine Einladung zur Eskalation, die in ihrem Zynismus bemerkenswert ist. Die offizielle Social-Media-Abteilung des PP legte noch einen drauf und bezeichnete die Politikerin als „Brandstifterin“.

Bergerots Aussage fällt in ein ohnehin aufgeheiztes Klima: Seit Tagen campieren Aktivisten in der Puerta del Sol, dem zentralen Platz Madrids. Dort kursieren Plakate und Bilder, die Präsidentin Isabel Díaz Ayuso und Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida zeigen – mit eindeutigen Aufschriften wie „Wir wollen eure Köpfe“, untermalt von Sarg-Darstellungen. Der PP sieht hier einen direkten Zusammenhang.

Der Staat soll Farbe bekennen

Mit seiner Anzeige zielt der PP nicht nur auf Bergerot. Die wahre Adresse ist Francisco Martín, der Zentralregierungs-Delegierte in Madrid. Ihm wirft Serrano in einem offenen Brief vor, die Lage zu verharmlosen. Die Forderung ist klar: Die Camp auf der Sol soll geräumt werden. Wer die Sicherheit der Bevölkerung und gewählter Vertreter nicht schütze, so die deutliche Ansage an Martín, mache sich im Falle weiterer Vorfälle mitschuldig.

Der PP stellt sich damit als Hüter von Recht und Ordnung dar, während er die Opposition als Brandstifter brandmarkt. Doch die Strategie, sich als Opfer zu inszenieren, geht mit einer aggressiven Rhetorik einher, die selbst vor verbaler Brandbeschleunigung nicht zurückschreckt. Man will die Schärfe der anderen nutzen, um das eigene Lager zu mobilisieren – und die Regierung in die Pflicht zu nehmen.

Wohin steuert der Wahlkampf?

Der Vorfall ist kein Zufall. Mit Blick auf die Wahlen am 29. November wollen die Popularen Sicherheit und Kontrolle zum zentralen Thema machen. Bergerots unglückliche Wortwahl kommt ihnen da gerade recht. Die eigentliche Frage bleibt jedoch, ob die Justiz hier tatsächlich strafrechtlich Relevantes findet – oder ob es sich um politisches Theater handelt, das mit harten Bandagen geführt wird. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der erhobene Zeigefinger des PP auch vor Gericht standhält.

Die Fronten in Madrid sind verhärtet, das Klima ist vergiftet. Während auf der Straße protestiert wird, schlagen im Parlament die Wellen hoch. Wer hier gerade wen bedroht, liegt im Auge des Betrachters – und im Kalkül der Parteien.

Dieser Artikel basiert auf Recherchen von Europa Press.


Quelle: europapress.es

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