
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Israelische Marine stoppt Gaza-Flotilla
Schiffe abgefangen, Lage unklar
Die „Global Sumud“-Flotilla, eine internationale Initiative, die mit Hilfsgütern Richtung Gaza unterwegs war, ist von der israelischen Marine gestoppt worden. Laut Xisca Puig, einer Sprecherin der Gruppe auf Mallorca und Ehefrau eines Teilnehmers, wurde das Boot „Cabó Blanco“ am Dienstagnachmittag um 15:30 Uhr abgefangen. Kurz vorher war bereits das Schiff „Girolama“ in internationale Gewässer gestoppt worden. Auf beiden Booten befinden sich Teilnehmer von den Balearischen Inseln: Toni Riera aus Sant Llorenç des Cardassar auf Mallorca und Lluís de Moner aus Menorca.
Die Familien der Aktivisten befinden sich nun in einer Situation extremer Unsicherheit. „Es generiert eine enorme Angustia“, sagte Puig gegenüber dem Diario de Mallorca. Sie und andere Hinterbliebene haben keine klaren Informationen über den aktuellen Zustand oder den Aufenthaltsort der Abgefangenen. Sie fordern daher unmittelbare Transparenz von Israel, die Freilassung der Teilnehmer und Garantien, dass deren Grundrechte nicht verletzt werden.
Vorab berichtete Riera von Nervosität und Vorbereitung
Bereits am Montag, kurz bevor sein Schiff abgefangen wurde, hatte Toni Riera von der sich zuspitzenden Situation berichtet. In einer Kommunikation vom Meer erklärte er, dass die Flotilla ursprünglich mit 53 Booten aus Türkiye ausgelaufen sei. „Von 53 fehlen uns jetzt schon 25“, sagte er, nachdem Israel begonnen hatte, die Expedition systematisch zu stoppen.
Die Angst unter den Teilnehmern war greifbar. „Nos tocará, estamos nerviosos. No sabemos lo que pasará“, beschrieb Riera die Lage. Die Crews hatten sich zwar mental darauf vorbereitet, berichtete er. Sie waren darauf eingestellt, die Situation mit Ruhe zu überstehen, bis sie deportiert würden. Doch Berichte von bereits abgefangenen Aktivisten verbreiteten Schrecken. Diese erzählten von einer Gefangenschaft in einem Container und von schlechter Behandlung. „Nos espera un momento muy jodido“, fasste Riera die Erwartungen zusammen.
Hintergrund: Vorfall weckt Erinnerungen an frühere Gewalt
Dieser aktuelle Vorfall erinnert an eine ähnliche Situation vor wenigen Wochen, wie aus den Berichten der Organisation bekannt ist. Damals hatte der mallorquinische Aktivist Àngel Benítez nach der Abfangung seiner Flotilla mehrere Tage lang keinen Kontakt mit seiner Familie. Als diese ihn später auf Kreta in einem Krankenhaus fand, trug er verschiedene Verletzungen. Seine Familie gab an, dass der junge Mann berichtet habe, auf ein Containerschiff gebracht worden zu sein, das als provisorisches Gefängnis fungierte. Dort sei ihm alles abgenommen worden, er sei in Unterwäsche gehalten und mit Fußtritten und Gewehrkolben geschlagen worden.
Die „Global Sumud“-Flotilla stellt sich als zivilgesellschaftliche Initiative dar, die die Blockade des Gazastreifens durch humanitäre Aktionen öffentlich machen will. Die regelmäßigen Abfangungen dieser privaten Hilfsmissionen durch Israel sind ein langjähriger, kontrovers diskutierter Teil des Nahostkonflikts. Die spanischen Teilnehmer, insbesondere aus den Balearischen Inseln, stehen dabei oft im Fokus der lokalen Medien, die ihre Motivation und die Gefahren, die sie auf sich nehmen, dokumentieren.
Aktuelle Forderungen der Solidaritätsgruppen
Die unterstützenden Gruppen auf Mallorca und in anderen Teilen Spaniens konzentrieren sich nun auf die Schutzrechte der abgefangenen Aktivisten. Ihre Hauptforderungen lauten: Unverzügliche und vollständige Information über den Gesundheitszustand und den Aufenthaltsort der Personen, ihre schnelle Freilassung und die Gewährleistung, dass sie während der Gefangenschaft keinen physischen oder psychischen Misshandlungen ausgesetzt werden. Die Situation zeigt die Risiken, die zivilgesellschaftliches Engagement in hochpolitischen Konfliktregionen mit sich bringen kann – und die emotionale Belastung für die Familien im Hintergrund.
Quelle: Diario de Mallorca und Mitteilungen der Global Sumud Flotilla Illes Balears.
Quelle: diariodemallorca.es