Hybrider Druck auf spanische Hoheitsgewässer

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Hybrider Druck auf spanische Hoheitsgewässer

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein pensionierter Admiral erhebt schwere Vorwürfe gegen Rabat

Die Affäre um mutmaßliche Eindringlinge marokkanischer Kriegsschiffe in spanische Gewässer bekommt neuen Zündstoff. Der ehemalige Admiral Juan Rodríguez Garat hat nun in einem Interview schwere Vorwürfe gegen die Regierung in Madrid formuliert. Er sieht Spanien als Opfer einer orchestrierten Aktion, die weit über einen gewöhnlichen diplomatischen Streit hinausgehe. Die Vorfälle, die sich Ende Juli während des massenhaften Grenzübertritts von Migranten in Ceuta ereigneten, waren erst Mitte Oktober von Regierungschef Pedro Sánchez eingeräumt worden.

Die Vorfälle im Sommer werden neu bewertet

Nach Informationen des Nachrichtenportals 20minutos hatte es damals beinahe eine Kollision zwischen Einheiten beider Marinen gegeben. Die spanische Seite sah sich gezwungen, ihre Präsenz in der Region zu verstärken. Der pensionierte Admiral Rodríguez Garat bewertet diese Ereignisse als klare Verletzung der spanischen Souveränität. Er verweist darauf, dass die Anwesenheit der marokkanischen Schiffe nicht als bloße Durchfahrt zu werten sei, was nach internationalem Seerecht erlaubt wäre. Vielmehr hätten sich die Schiffe über einen längeren Zeitraum in den Gewässern aufgehalten, die Spanien als seine ausschließliche Wirtschaftszone betrachtet.

Ein Muster, das sich seit Jahrzehnten abzeichnet

Der Militärexperte zeichnet in seiner Analyse ein größeres Bild. Er argumentiert, dass es sich bei den Vorfällen nicht um einen isolierten Zwischenfall handele. Die Nichtanerkennung der spanischen Hoheitsrechte um Ceuta und Melilla durch Marokko sei eine Konstante der letzten Jahrzehnte. Diese Haltung habe Rabat bereits bei der Verabschiedung der UN-Seerechtskonvention eingenommen. Rodríguez Garat zieht einen Vergleich zu Begegnungen mit Schiffen des Warschauer Pakts oder algerischen Einheiten in den 1980er Jahren. Solche Manöver seien zwischen befreundeten Nachbarländern wie Spanien und Portugal oder Frankreich unvorstellbar.

Der Vorwurf der politischen Erpressung

Die Motivation hinter dem Verhalten Marokkos sieht der Admiral in einem politischen Kalkül. Es gehe um die Förderung der Idee eines Groß-Marokko, die letztlich auch Ansprüche auf die spanischen Exklaven einschließe. Aktuell stünden jedoch andere Ziele im Vordergrund. Die Annäherung Spaniens an Algerien, den wichtigsten Verbündeten der Saharauis, und die Diskussion über eine mögliche spanische Staatsbürgerschaft für Bewohner der Westsahara hätten Rabat verärgert. Die Aktionen an der Grenze und auf dem Meer seien als Druckmittel zu verstehen, um Madrid zu einer Korrektur seines außenpolitischen Kurses zu bewegen. Die spanische Regierung habe auf diese Entwicklung bisher unzureichend reagiert, indem sie die Situation als reine Migrationskrise darstelle und die sicherheitspolitischen Aspekte ausblende.

Das Interview mit dem pensionierten Admiral offenbart eine tiefe Skepsis gegenüber der offiziellen Lesart der Vorfälle. Die Regierung von Pedro Sánchez hatte von routinemäßigen Patrouillen gesprochen und eine Eskalation verneint. Rodríguez Garat stellt dieser Darstellung eine fundamentale Kritik entgegen und fordert eine nüchternere Betrachtung der machtpolitischen Realitäten in der Region, wie 20minutos berichtet.


Quelle: 20minutos.es

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