
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Hotels in Valencia melden Rekordbelegung
Ein volles Haus ist noch lange kein gutes Geschäft
Die Valencianische Gemeinschaft präsentiert sich zum Ende der Sommersaison in glänzender Verfassung. Mit einer durchschnittlichen Hotelauslastung von 89,4 Prozent im September wurde nicht nur das Vorjahresniveau um 1,4 Punkte übertroffen, sondern auch der achte Monat in Folge mit Wachstum verbucht. Die Zahlen des Hotelverbands Hosbec lesen sich auf den ersten Blick wie ein einziger Triumphzug – doch die Branche selbst mahnt zur Vorsicht.
An der Spitze der Rangliste stehen die Provinz Valencia, Benidorm und die Stadt Valencia mit Werten von jeweils über 91 Prozent. Besonders bemerkenswert ist der Sprung der Provinz Castellón, die ihre Auslastung um satte 3,3 Punkte auf 83,1 Prozent steigern konnte. Selbst die Fünf-Sterne-Häuser, lange Zeit das Sorgenkind der Branche, verzeichneten in der zweiten Septemberhälfte einen Zuwachs von 6,2 Punkten auf 78,8 Prozent. Die Vier-Sterne-Kategorie bleibt mit 89,1 Prozent das Zugpferd des Hotelsgewerbes.
Briten bleiben der Motor, doch neue Märkte drängen
Wer glaubt, die Valencianische Gemeinschaft sei weiterhin primär vom heimischen Publikum abhängig, sieht sich getäuscht: Internationale Gäste machten in der zweiten Monatshälfte 59,4 Prozent der Übernachtungen aus. Dabei zeigt sich ein klares Nord-Süd-Gefälle. Während in Benidorm die Briten mit 45,8 Prozent unangefochten den Ton angeben, präsentiert sich Valencia als Musterbeispiel für Diversifizierung – US-Amerikaner belegen dort bereits den dritten Platz hinter Spanien und Großbritannien. Castellón hingegen bleibt mit einem Inlandsanteil von fast 70 Prozent der heimische Außenposten, wenn auch die internationale Nachfrage dort nun spürbar anzieht.
Die Aussichten für Oktober geben zunächst Anlass zu Optimismus: 82,8 Prozent der Zimmer sind bereits fest gebucht, Benidorm startet sogar mit beeindruckenden 87,1 Prozent in den Monat. Doch hier enden die guten Nachrichten.
Die Rechnung, die niemand zahlen will
Hosbec übt in ihrer Analyse deutliche Kritik an einer allzu rosigen Interpretation der Kennzahlen. „Ein voller Hotelbetrieb bedeutet nicht automatisch Rentabilität“, so die unmissverständliche Warnung des Verbands. Der Grund dafür ist die Inflation, die im September auf knapp fünf Prozent gestiegen ist – den höchsten Stand seit Februar 2023. Besonders die explodierenden Energiekosten, aber auch Lebensmittel und Treibstoffe treffen die Hotellerie mit voller Wucht. Hinzu kommen steigende Lohnkosten und eine wachsende Steuerlast, die die Margen der Betriebe zunehmend erodieren lassen.
Die Krux: Die Unternehmer können diese Mehrkosten nicht unbegrenzt an ihre Gäste weiterreichen, ohne gegenüber Konkurrenzdestinationen an Attraktivität zu verlieren. Das Mittelmeer bietet schließlich Alternativen in Hülle und Fülle. Für die heimische Nachfrage hat die Teuerung ebenfalls handfeste Konsequenzen – geringere Kaufkraft bedeutet häufig kürzere Aufenthalte und sparsameres Verhalten vor Ort. Zudem deutet sich bereits ein Effekt an, den Ökonomen seit Monaten befürchten: steigende Flugpreise durch teureren Treibstoff könnten gerade die preissensiblen Zielgruppen abschrecken.
Politik gefordert, nicht nur gelobt
Vor diesem Hintergrund richtet der Verband einen eindringlichen Appell an die Regierungen: Stabilität statt neuer Belastungen. „Stabilität regulatorischer und fiskalischer Rahmenbedingungen“ sei das Gebot der Stunde, um einen Sektor nicht zu gefährden, der trotz aller Fortschritte bei der Saisonentzerrung nach wie vor das Rückgrat der Beschäftigung über das ganze Jahr hinweg bilde. Die Politik täte gut daran, die Warnungen aus der Branche ernst zu nehmen – denn die nächsten Monate werden zeigen, ob der Aufschwung mehr war als ein Strohfeuer der Hochsaison. Wie der Hotelverband Hosbec mitteilt, wird bereits die zweite Oktoberhälfte mit Spannung beobachtet.
Quelle: europapress.es