
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Hochgeschwindigkeitszüge verlieren 21 Prozent Fahrgäste
Der spanische Bahnverkehr steckt in einer tiefen Krise: Von Januar bis März 2026 sank die Zahl der Reisenden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent. Wie die Wettbewerbsbehörde CNMC auf Basis von Daten der drei großen Betreiber Renfe, Ouigo und Iryo mitteilt, traf der Einbruch sämtliche Dienstklassen – vom Hochgeschwindigkeitszug (AVE) über Media Distancia bis zu den Cercanías-Nahverkehrszügen. Besonders hart erwischte es die Verbindungen in den Süden.
Der Unfall von Adamuz als Auslöser einer ganzen Serie
Der schwere Unfall bei Adamuz in der Provinz Córdoba Anfang des Jahres war nicht der einzige Grund für den Absturz. Hinzu kamen temporäre Langsamfahrstellen, Streckenunterbrechungen durch Bauarbeiten und ein tödlicher Entgleisungsunfall bei Gelida in Katalonien. Auch eine Serie von Unwettern, die einen Stützmauereinsturz auf der Strecke Madrid–Málaga verursachte, trug ihren Teil bei. In der Folge zögerten viele Reisende, auf den Zug zu setzen – eine Verunsicherung, die sich laut CNMC in leicht gesunkenen Ticketpreisen widerspiegelte.
Die am stärksten betroffene Achse war Madrid–Málaga/Granada: Hier brach die Nachfrage um 61 Prozent ein. Grund war die nahezu vollständige oder teilweise Unterbrechung der Strecke während fast des gesamten Quartals. Auf dem zweitplatzierten Korridor Madrid–Sevilla sanken die Fahrgastzahlen um 27 Prozent, auf der Strecke Madrid–Barcelona um 17 Prozent. Auf letztgenannter Verbindung führten wiederholte Meldungen von Fahrbahnunebenheiten zu dauerhaften Geschwindigkeitsbeschränkungen, die die Reisezeit bis Dezember um 25 Minuten verlängern.
Preise sinken im Wettbewerb – aber nicht überall
Ein positiver Aspekt: Seit der Liberalisierung der Hochgeschwindigkeitsstrecken haben sich die Ticketpreise deutlich reduziert. Gegenüber dem Jahr 2019, dem letzten Jahr ohne private Konkurrenz, fielen die durchschnittlichen Fahrpreise zwischen 33 und 42 Prozent – je nach Korridor. Im ersten Quartal 2026 kostete ein Madrid–Barcelona-Ticket ohne Mehrwertsteuer im Schnitt 46 Euro, Madrid–Sevilla 33 Euro, Madrid–Alicante 27 Euro und Madrid–Valencia 26 Euro. Dies zeigt die CNMC-Daten.
Dennoch dominieren die Marktanteile weiterhin Renfe mit ihren Marken AVE und Avlo. Auf der Strecke Madrid–Barcelona hält Renfe 59,3 Prozent, gefolgt von Iryo (23,5 Prozent) und Ouigo (17,2 Prozent). Im Korridor Madrid–Sevilla beträgt Renfes Anteil sogar 67,8 Prozent. Einen Überraschungssieg landet Ouigo auf der Relation Madrid–Alicante, wo es mit 32,2 Prozent deutlich vor Iryo (1,7 Prozent) rangiert.
Güterverkehr fällt auf Pandemie-Niveau
Noch düsterer sieht es im Schienengüterverkehr aus. Die transportierte Tonnenkilometer-Leistung sank um 13 Prozent und erreichte Werte nahe dem pandemiebedingten Tief von 2020. Die CNMC weist zudem erstmals betriebswirtschaftliche Kennziffern aus: Der profitabelste Korridor ist Madrid–Barcelona (8,14 Cent pro Zug- und Kilometer), während Madrid–Sevilla die beste Auslastung der Züge aufweist (69,2 Prozent).
Quelle: 20minutos.es