Handgepäck als rote Linie für die EU-Reform

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

luxemburg

Handgepäck als rote Linie für die EU-Reform

von Jonas Beck

Letzte Hürde bei Passagierrechten

Die Verhandlungen zur Neufassung der EU-Fluggastrechteverordnung sind in der entscheidenden Phase festgefahren. Wie aus EU-Kreisen bekannt wurde, besteht der letzte und größte Streitpunkt in der Frage, ob Fluggäste ein kostenloses Gepäckstück im Flugzeugkabin mitführen dürfen. Eine Einigung zwischen dem Europäischen Parlament und dem Rat, der die Regierungen der Mitgliedstaaten vertritt, steht bisher aus.

Verkehrsminister Óscar Puente bekräftigte am Montag bei einem EU-Ministertreffen in Luxemburg die unnachgiebige Position Spaniens. „Das Thema Kabinengepäck ist nicht verhandelbar“, erklärte Puente. Für Spanien stelle dies eine „rote Linie“ dar, um dem Gesamtpaket zuzustimmen. Der Minister verwies auf die Haltung des Verbraucherministeriums unter Pablo Bustinduy, das im November 2024 fünf Low-Cost-Airlines mit Strafen in Höhe von 179 Millionen Euro belegt hatte, weil diese für Handgepäck Gebühren verlangten.

Parlament gegen Rat und Airlines

Das Europäische Parlament fordert in seinem Verhandlungsmandat konkret, dass Passagiere ein Handgepäckstück von bis zu sieben Kilogramm Gewicht und mit den Maßen von maximal einem Quadratmeter ohne Aufpreis mitnehmen dürfen. Zusätzlich soll ein persönliches Gegenstände wie eine Handtasche oder ein Laptop unter dem Sitz kostenfrei bleiben. Als Gegenmodell schlagen die Abgeordneten vor, dass Airlines Passagieren, die auf Handgepäck verzichten, durch „sichtbare Rabatte“ oder andere Vorteile entgegenkommen können.

Diese Position stößt jedoch auf Widerstand. Der Rat der EU-Staaten und die Fluggesellschaften lehnen die verbindliche Gratis-Regelung ab. Die Regierungen konzentrieren sich stattdessen laut Verhandlungspapieren darauf, mehr Transparenz bei der Preisgestaltung der Airlines zu erreichen.

Einigung in anderen Punkten

Während das Handgepäck blockiert, liegen in anderen Teilen der Verordnung Einigungen vor. Wie Puente erläuterte, wurde eine „ziemlich zufriedenstellende“ finale Fassung für Entschädigungen bei Verspätungen gefunden. Demnach gelten weiterhin die etablierten Schwellenwerte: Bei einer Verspätung von mehr als drei Stunden erhalten Passagiere 250 Euro für Flüge bis 1.500 Kilometer und 400 Euro für Strecken zwischen 1.500 und 3.500 Kilometern.

Die Verhandlungsführer von Parlament und Rat treffen sich am Montag erneut in einem begrenzten Format, um nach Kompromissoptionen zu suchen. Ein Abschluss der Trilog-Verhandlungen war ursprünglich für den 15. Juni angestrebt worden.

Zusätzliche Tagesordnung: Zuglieferungen und Kerosin

Neben den Fluggastrechten nutzte Minister Puente das Treffen, um auf ein anderes drängendes verkehrspolitisches Problem hinzuweisen: die extrem langen Lieferzeiten für neue Zugfahrzeuge in Europa. „Die Bürger warten auf Züge, und wir können sie ihnen nicht liefern“, so Puente. Er forderte die europäischen Kollegen auf, gemeinsam Entscheidungen zur Stärkung der Industriekapazitäten zu treffen, ein Anliegen, das er seit Monaten auf verschiedenen Ebenen vorträgt.

Zur Frage möglicher Kerosin-Engpässe in diesem Sommer aufgrund der Lage im Straß von Hormuz gab Puente hingegen Entwarnung. Den Airlines zufolge gebe es keine Probleme bei der Versorgung, allerdings seien Auswirkungen auf die Ticketpreise nicht ausgeschlossen, berichtete der Minister.

Quellen: Angaben von Verkehrsminister Óscar Puente, EU-Verhandlungsdokumente und parlamentarische Kreise.


Quelle: 20minutos.es

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