
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Haftbefehl gegen Airline-Spitze nach Hausdurchsuchungen
Die Festnahme der Spitze der spanischen Fluggesellschaft Plus Ultra ist das Ergebnis monatelanger Ermittlungen, die ihren Ursprung in Hausdurchsuchungen auf Mallorca, in Madrid und auf Teneriffa im Jahr 2024 haben. Auslöser waren Hinweise der Schweizer und französischen Justiz an die spanische Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft. Sie meldeten verdächtige Bankbewegungen, die auf ein Netzwerk zur Geldwäsche hindeuteten, das mit dem chavistischen Regime in Venezuela in Verbindung stehen soll.
Die französischen Behörden beantragten damals Durchsuchungen in Madrid, Pozuelo de Alarcón und Teneriffa, während die Schweiz ein Objekt auf Mallorca ins Visier nahm. In allen Fällen handelte es sich um Immobilien, die Geschäftspartnern zugerechnet werden, die in das mutmaßliche Netzwerk involviert sein sollen. Erst die Auswertung dieser Razzien brachte die Ermittler auf die Spur von Plus Ultra.
Im Zentrum der Vorwürfe steht ein staatlicher Rettungskredit von 53 Millionen Euro, den die Regierung der Airline im März 2021 als Corona-Hilfe gewährt hatte. Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass Teile dieser Gelder ins Ausland transferiert und dort für die Geldwäsche venezolanischer Schwarzgelder genutzt wurden. Wie die Zeitung „Diario de Mallorca“ berichtet, soll die Airline Kreditverträge mit drei Firmen des kriminellen Netzwerks geschlossen haben, die im Goldhandel aktiv waren. Über diese Verträge sollen Rückzahlungen nach Erhalt der Staatshilfe an Konten im Ausland geflossen sein.
Die Verbindung von Plus Ultra zu den Kanarischen Inseln besteht seit der Pandemie. Die Regionalregierung hatte damals ohne Ausschreibung zwei Flüge nach China vergeben, um Schutzmasken zu beschaffen. Durchgeführt wurden diese Flüge von Maschinen der Plus Ultra, die über die Firma One Airways subkontrahiert worden waren.
Die Ermittlungen gegen die Airline begannen nicht bei der spanischen Justiz. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Anzeige bei der Audiencia Nacional eingereicht, dem obersten Strafgericht des Landes. Dieses lehnte jedoch die Übernahme des Falls aus Kompetenzgründen ab. Daraufhin landete das Verfahren beim Ermittlungsgericht Nummer 15 in Madrid, das sich bereits zuvor mit dem Rettungskredit befasst, die Sache damals aber eingestellt hatte. Nun ordnete genau dieses Gericht die Durchsuchung der Firmenzentrale und die Festnahme der Manager an.
Die Schweizer Finanzermittler hatten bereits 2021 erstmals Alarm geschlagen, weitere Hinweise folgten 2023. In Genf laufen Ermittlungen gegen vier Verdächtige und eine Firma mit Sitz auf den Mauritius-Inseln, deren Konten mit Personen verbunden sind, gegen die internationale Sanktionen verhängt wurden.
Die Ermittler vermuten, dass die mutmaßliche Organisation auch in den Handel mit Gold aus Venezuela verwickelt war. Konkret geht es um den Verkauf von Gold im Wert von 30 Millionen Euro an eine Gesellschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Von dort sollen Gelder an eine Firma mit Konto in Panama weitergereicht worden sein. Auch der Handel mit Luxusuhren soll zur Geldwäsche genutzt worden sein. In dem Netzwerk sollen neben eingebürgerten Ausländern auch mindestens ein spanischer Anwalt eine Rolle spielen.
Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen und unterliegt der Geheimhaltung. Bislang ist nicht bekannt, wem die durchsuchten Immobilien gehören und welche Rolle die jeweiligen Eigentümer in dem Netzwerk spielen könnten. Die Staatsanwaltschaft wirft Plus Ultra in ihrer Anzeige vor, öffentliche Gelder zweckentfremdet und damit einen Betrug am Staat begangen zu haben.
Quelle: diariodemallorca.es