Granadas Bibliothek trotzt dem Digitalisierungstrend

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Granada

Granadas Bibliothek trotzt dem Digitalisierungstrend

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Bollwerk gegen die digitale Einsamkeit

Während Kulturschaffende landauf, landab über sinkende Aufmerksamkeitsspannen klagen und Buchhandlungen um ihre Existenz kämpfen, liefert eine Einrichtung in Andalusien den Gegenbeweis. Die Bibliothek von Granada, gelegen in der Calle Profesor Sáinz Cantero in unmittelbarer Nachbarschaft zum Campus Fuente Nueva, hat sich in den ersten sechs Monaten des Jahres als Publikumsmagnet erwiesen. 68.191 Menschen strömten durch ihre Türen – das ist mehr als die Einwohnerzahl so mancher spanischen Kleinstadt.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Es ist bequem, den Niedergang der analogen Wissensvermittlung zu behaupten. Doch die Statistik der Red de Bibliotecas Públicas de Andalucía, die Europa Press auswertete, zeichnet ein anderes Bild: 26.764 Mal wurden Bücher und Medien ausgeliehen. Damit klettert die granadinische Einrichtung im Ranking der acht andalusischen Provinzbibliotheken auf den dritten Platz bei den Ausleihen. Bei den Besuchszahlen rangiert sie immerhin auf Rang sechs – ein solider Wert, der zeigt: Der Ort ist mehr als nur ein Aufbewahrungsort für Papier.

Mehr als nur ein Bücherlager

Kritiker mögen einwenden, dass Besucherzahlen allein nichts über die kulturelle Relevanz aussagen. Doch wer das Programm der Einrichtung betrachtet, erkennt schnell, dass hier weit mehr geboten wird als staubige Lesesäle. 93 Veranstaltungen fanden im ersten Halbjahr statt – von Lesungen über Buchclubs bis hin zu Autorenbegegnungen. Besonders der Mai stach mit 22 Terminen hervor. Die Bibliothek hat sich längst vom reinen Ausleihort zum lebendigen Treffpunkt gewandelt, der den Menschen ein Gegenangebot zur digitalen Zerstreuung bietet.

Ein Blick auf die Nutzerstruktur

Interessant ist auch die demografische Verteilung: Von den 99.343 registrierten Nutzern sind 50.722 männlich und 48.621 weiblich. Ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis, das zeigt, dass das Interesse an klassischer Wissensvermittlung keine Geschlechterfrage ist. Die Nähe zur Universität dürfte dabei ebenso eine Rolle spielen wie das kuratierte Veranstaltungsprogramm.

Während andere Kultureinrichtungen über rückläufige Besucherzahlen lamentieren, beweist Granada, dass ein gut geführtes Haus mit klarem Programmkonzept auch im Zeitalter von Streaming und sozialen Medien relevant bleibt. Die Frage ist nicht, ob Bibliotheken überleben – sondern ob die Verantwortlichen bereit sind, in ihre Zukunft zu investieren.

Wie Europa Press berichtet, basieren die Zahlen auf dem statistischen Vorabbericht des andalusischen Bibliotheksnetzwerks.


Quelle: europapress.es

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