Gonzaléz’ unbekannte Seite: Zwischen Farbe und Linie

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

Gonzaléz’ unbekannte Seite: Zwischen Farbe und Linie

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Pionier abseits des Sockels

Sein Name steht untrennbar mit der Revolution der Eisenplastik im 20. Jahrhundert verbunden. Doch der Katalane Julio González, Wegbereiter der modernen Skulptur, führte noch ein anderes künstlerisches Dasein. Das Museo Carmen Thyssen Málaga widmet sich nun genau dieser Seite: der Malerei und Grafik des gebürtigen Barceloners. Die Ausstellung „Julio González, pintor y dibujante“ beleuchtet ein Œuvre, das im Schatten seiner metallenen Hauptwerke kaum Beachtung fand.

Einblicke in die grafische Werkstatt

Bis in das kommende Jahr hinein präsentiert die Sala Noble des Palacio de Villalón insgesamt 25 Exponate – darunter elf Gemälde und 14 Zeichnungen. Eine Bronzeplastik, die berühmte „Daphné“ von 1937, ergänzt das Ensemble und verweist auf jene Disziplin, die ihm Weltruhm einbrachte. Die Kuratoren versprechen einen neuen Blick auf den Künstler, der 2026 seinen 150. Geburtstag gefeiert hätte.

Die institutionelle Basis für das Projekt bildet eine Kooperation mit dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía aus Madrid. Deren Direktor Manuel Segade ermöglichte die Leihgaben. Alle ausgestellten Stücke stammen ursprünglich aus dem Nachlass von Roberta González, der Tochter des Künstlers, die die Werke 1973 dem spanischen Staat übereignete.

Vom Symbolismus zur Abstraktion

Die Schau zeichnet eine künstlerische Reise durch drei Schaffensphasen nach. Die frühe Periode, beeinflusst vom französischen Symbolismus, reicht bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Eine zweite, inhaltlich dichteste Etappe folgt in den 1920er Jahren: González wandte sich dem katalanischen Noucentisme zu, schuf kleinformatige Werke mit mediterranen Motiven und klassizistischem Duktus.

Ab 1928 ändert sich sein Zugang grundlegend. Die Malerei wird zur Vorstufe der Skulptur: Formen zerfallen, Strukturen werden abstrakt. Die Ausstellung zeigt, wie der Künstler in diesen späten Arbeiten auf dem Papier jene Kompositionen untersuchte, die später in Eisen oder Bronze gegossen wurden.

Ein verspäteter Ruhm

Die Direktorin des Hauses, Lourdes Moreno, betonte bei der Eröffnung die Relevanz der Schau. González, ein enger Vertrauter von Pablo Picasso, sei trotz seiner Bedeutung spät von der Kritik anerkannt worden – im Gegensatz zu Zeitgenossen wie Brancusi oder Calder. Die aktuelle Präsentation füge sich in die Reihe des Museums ein, die sich der spanischen Avantgarde widmet, wie zuvor mit Arbeiten von Rafael Canogar oder Juana Francés. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, ist die Ausstellung noch bis zum Jahresende in der andalusischen Provinzhauptstadt zu sehen.


Quelle: europapress.es

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