
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Geständnis nach 66 Messerstichen
„Ich war nicht ich selbst“: Angeklagter räumt Tötung ein, bestreitet aber Mord
Es ist eines jener Geständnisse, die mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten. Am dritten Verhandlungstag vor der Audiencia Provincial in Palma hat der Mann, der im Dezember 2024 seine Ex-Partnerin in Can Pastilla mit 66 Messerstichen getötet haben soll, die Tat eingeräumt – aber nur teilweise. Seine Botschaft: Ja, er habe die Frau getötet, aber es sei kein Mord gewesen, sondern ein tragischer Kontrollverlust. „Ich hatte den Dämon in mir“, rief der Angeklagte unter Tränen in den Gerichtssaal.
Die als „Crimen de Can Pastilla“ bekannt gewordene Tat hatte die Balearen erschüttert. Nun inszeniert sich der Beschuldigte als Opfer der eigenen Emotionen, gepaart mit Drogenkonsum und tagelangem Schlafentzug. Die Staatsanwaltschaft hält dagegen und fordert 27 Jahre Haft wegen Mordes. Die Beweislage ist eindeutig, die Umstände grausam – doch die Verteidigung versucht, das Bild eines Mannes zu zeichnen, der in einem Ausnahmezustand gehandelt habe.
Die Darstellung des Angeklagten: Eine fatale Eskalation
Laut seiner am Mittwoch verlesenen Erklärung sei nicht er, sondern das spätere Opfer die Aggressorin gewesen. In einem hitzigen Streit im Auto habe die Frau ein Messer gezogen – er habe es ihr entrissen und dann, von einem Impuls übermannt, zugestochen. „Ich wurde wahnsinnig“, so der Angeklagte, „ich schwöre bei Gott, das war nicht ich in diesem Moment.“ Er habe zwei Tage nicht geschlafen und sei unter Drogeneinfluss gestanden. Seine Reue wirkt inszeniert, die Tränen fließen im Takt der eigenen Argumentation: „Ich hasse den Tag, an dem ich geboren wurde. Ich habe meine Töchter zu Waisen gemacht.“
Doch der Reihe nach: Die Tat geschah im Dezember 2024. Der Mann hatte seine Ex-Partnerin überredet, mit ihm die gemeinsame Tochter vom Kindergarten abzuholen. Die Frau ließ sogar ihre Schutzweste (pulsera) zu Hause – ein Detail, das die Staatsanwaltschaft als Beleg für eine geplante Tat wertet. Auf dem Weg durch Can Pastilla zückte der Mann das Messer, das er zwischen seiner Kleidung versteckt hatte. 66 Mal stach er zu. Die Frau starb noch im Fahrzeug. Anschließend fuhr der Täter mit der Leiche auf dem Beifahrersitz weiter, bis er einen Unfall baute und festgenommen wurde.
Die entscheidende Frage: Affekt oder Vorsatz?
Der Fall wird zur Nagelprobe für die Justiz. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, die Tathergang sei minutiös geplant gewesen – vom versteckten Messer bis zur Manipulation des Opfers. Der Angeklagte kontert mit dem Bild eines Mannes, der die Kontrolle verlor, nachdem er seiner Partnerin das Messer abgenommen hatte. Ein klassisches Muster, wie es Verteidiger in Femizid-Fällen immer wieder bemühen: Die Frau sei schuld, der Mann nur Reagierender.
Doch die Zahl von 66 Stichen ist keine Momentaufnahme eines Kontrollverlusts. Das ist ein Exzess, eine systematische Vernichtung. Wer 66 Mal zusticht, handelt nicht im Affekt – der handelt mit einer Wucht, die auf tieferliegende Motive schließen lässt. Die Staatsanwaltschaft zweifelt zudem an der Version, dass das Opfer selbst ein Messer im Auto hatte. Laut Anklage brachte der Täter das Tatwerkzeug mit.
Der Angeklagte selbst sagte: „Ich habe den Tod meiner Frau nicht geplant. Ich habe nie vorgehabt, sie zu töten.“ Gleichzeitig forderte er eine härtere Strafe als die geforderten 27 Jahre – ein rhetorischer Schachzug, der Glaubwürdigkeit suggerieren soll. Ob die Jury darauf hereinfällt, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung wird richtungsweisend sein: für den Umgang mit Femiziden, aber auch für die Frage, ob Reue und Selbstmitleid als mildernde Umstände gelten dürfen, wenn die Beweislage von einem geplanten Tötungsvorsatz spricht.
Der Prozess in Palma wird fortgesetzt.
Wie Europa Press berichtet, drohen dem Angeklagten 27 Jahre Haft wegen Mordes. Das Urteil wird in den kommenden Wochen erwartet.
Quelle: europapress.es