Freispruch gefordert: Im Zweifel für den Angeklagten

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Sevilla

Freispruch gefordert: Im Zweifel für den Angeklagten

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Verfahren auf der Kippe

Im Fall der tödlich verunglückten Ana Buza hat die Staatsanwaltschaft eine radikale Kehrtwende vollzogen. Statt der ursprünglich geforderten dreijährigen Haftstrafe wegen fahrlässiger Tötung plädierte das Ministerium öffentlich nun auf Freispruch für den Angeklagten Rafael V.P. Die Behörde folgt damit der Einschätzung der Verkehrsunfall-Experten der Guardia Civil, die einen Atropello, also ein Überrollen oder aktives Anfahren des Opfers, kategorisch ausschließen.

Der Kampf um die Deutungshoheit

Damit steht die Version der Eltern der getöteten 19-Jährigen erneut massiv unter Beschuss. Sie beharren darauf, dass ihre Tochter nicht einfach aus dem fahrenden Wagen gestürzt sein kann, sondern von ihrem damaligen Partner vorsätzlich überfahren worden sein muss. Für diese These fordert die Nebenklage eine Haftstrafe von 20 Jahren wegen Mordes. Die Staatsanwaltschaft kontert diese Anschuldigungen nun mit den Erkenntnissen des Erkenntnisteams für Unfallrekonstruktion (ERAT). Deren Analyse zufolge ist der Todesszenario der Eltern mit den technischen Gegebenheiten der Unfallstelle an der A-4 bei Carmona schlicht nicht vereinbar.

Fundamentale Zweifel an der Anklage

Besonders brisant ist die Bewertung der Gegen gutachten. Während die von der Familie beauftragten Sachverständigen die polizeilichen Berechnungen als substanzlos und unhaltbar kritisierten, hält die Anklagebehörde die Verteidigungslinie des Angeklagten für plausibel. Die zentrale Frage lautet: Konnte die junge Frau bei einer Geschwindigkeit von rund 117 km/h auf dem Verzögerungsstreifen abgeworfen werden und lediglich Schürfwunden davontragen, ohne von einem Fahrzeug erfasst zu werden? Für die Fiscalía ist diese Version nach Aktenlage offenbar die einzig logische Erklärung.

Ein Urteil mit Sprengkraft

Der Prozess ist damit zur Geschworenen-Entscheidung gereift. Das Urteil der Jury, das in der kommenden Woche erwartet wird, hat weitreichende Bedeutung. Sollten die Geschworenen der Argumentation der Staatsanwaltschaft folgen, wäre der Angeklagte ein freier Mann – und die Familie der Toten stünde vor einem Scherbenhaufen ihrer jahrelangen Ermittlungsarbeit. Die öffentliche Wahrnehmung des Falles, der in Spanien hohe Wellen schlug, könnte sich damit grundlegend ändern: von einem mutmaßlichen Femizid hin zu einem tragischen Verkehrsunfall mit fatalen Folgen. Die Beweislast für den Vorsatz liegt bei den Anklägern – und genau diese Beweise scheinen vor Gericht zu zerbröseln.

Wie Europa Press berichtet, bleibt die zentrale Frage des Verfahrens, ob es sich um einen Unfall oder ein Verbrechen handelte, weiterhin offen.


Quelle: europapress.es

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