
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Feuer im AVE legt Strecke lahm
Ein einziger Funke, ein gewaltiges Chaos
Es hätte ein gemütlicher Feiertags-Rückreiseverkehr werden sollen. Doch die Realität sah am Montagabend anders aus: Ein Brand in einem AVE-Zug hat den gesamten Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und Barcelona über Stunden lahmgelegt. Was bleibt, ist ein Scherbenhaufen aus gestrandeten Passagieren, gestrichenen Verbindungen und einer Menge unbeantworteter Fragen.
Die Zahlen dieser Betriebsstörung lesen sich wie ein kleines Desaster. Renfe spricht von rund 5.000 direkt betroffenen Reisenden, die Medien berichten sogar von bis zu 12.000. Insgesamt 14 Züge waren auf der Strecke, als das Unglück geschah, dutzende weitere Verbindungen fielen ersatzlos aus. Wer am Montagabend in Madrid oder Barcelona einen Zug besteigen wollte, stand vor verschlossenen Türen oder wartete endlos auf Informationen.
Die hilflosen Geständnisse eines Monopolisten
Besonders pikant: Ausgerechnet der stellvertretende Direktor von Renfe, Sergio Bueno, musste einräumen, dass die Lage "komplex" gewesen sei – eine Wortwahl, die man angesichts von hunderten Menschen, die in einem abgelegenen Streckenabschnitt in der Provinz Saragossa ausharren mussten, durchaus als Untertreibung bezeichnen darf. Dass der Vorfall sich an einer Steigung ereignete und der Zugang für die Rettungskräfte schwierig war, mag die Rettungsarbeiten erschwert haben – doch es wirft auch Fragen auf.
Ein Zug brennt, das ist zum Glück keine alltägliche Erfahrung für Reisende. Die 283 Passagiere des betroffenen Zuges wurden evakuiert, zwei Personen benötigten medizinische Hilfe. Während Renfe beteuert, das Material sei "in einwandfreiem Zustand" und alle Wartungsintervalle würden eingehalten, bleibt die eigentliche Ursache des Feuers vorerst im Dunkeln. Die Beweise für diese Behauptung? Fehlanzeige. Es ist ein vertrautes Muster: Erst wird beruhigt, später wird korrigiert.
Die Achillesferse des Systems
Die eigentliche Frage ist eine systemische: Wie verwundbar ist Spaniens Vorzeigeprojekt Hochgeschwindigkeit? Ein einziger Vorfall genügte, um die wichtigste Bahnverbindung des Landes für Stunden zu blockieren. Während Iryo als privatwirtschaftlicher Konkurrent zumindest Busse als Alternative organisierte und kostenlose Stornierungen anbot, blieb Renfe zunächst einmal die Antwort schuldig. Die staatliche Gesellschaft informierte zwar über die Möglichkeiten, den Reisetermin zu verschieben, doch für die vielen tausend Menschen, die nur durchkommen wollten, war das ein schwacher Trost.
Adif, der Infrastrukturbetreiber, meldete später eine Teilstreckenfreigabe – allerdings nur als eingleisige Behelfslösung. Bis der ausgebrannte Zug von der Strecke ist, wird es dauern. Und dann? Dann werden die Experten über Brandursachen rätseln und die Versprechen von der "besten Wartung der Welt" bleiben, wie so oft in solchen Fällen, bloße Behauptung.
Die Bilanz dieses Montags ist ernüchternd. Sie zeigt, dass die spanische Bahninfrastruktur zwar glorreiche Geschwindigkeiten erreicht, aber bei Störungen weitgehend handlungsunfähig ist. Wer künftig zwischen den beiden Metropolen reisen will, kann nur hoffen, dass die Technik mitspielt – denn auf die Puffer des Systems ist offenbar kein Verlass.
Wie die staatliche Nachrichtenagentur und mehrere regionale Medien übereinstimmend berichten, könnte die Gesamtzahl der Betroffenen sogar noch höher liegen als die offiziellen Angaben.
Quelle: 20minutos.es