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Feijóo kündigt drastisches Maßnahmenpaket gegen Wohnungsnot an
Drei Gesetzesvorhaben als Auftakt versprochen
Alberto Núñez Feijóo, Vorsitzender der konservativen Volkspartei (PP), hat auf einer Wahlkampfveranstaltung in Sevilla ein Bündel von Maßnahmen zur Bewältigung der Wohnungskrise vorgestellt. Der Spitzenkandidat verknüpfte seine Ankündigungen mit dem Ziel, im Falle eines Wahlsieges innerhalb der ersten drei Monate einer Amtszeit konkrete gesetzgeberische Schritte einzuleiten.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, nannte Feijóo drei zentrale Projekte, die ein Kabinett unter seiner Führung unmittelbar nach Amtsantritt auf den Weg bringen solle: eine Überarbeitung des Bodengesetzes, eine Reform des Wohnungseigentumsgesetzes sowie eine gesetzliche Regelung zur Bekämpfung illegaler Hausbesetzungen. Insbesondere die Anti-Okupas-Regelung sieht laut Feijóo eine Räumung innerhalb von 48 Stunden vor. Diese Gesetze, so der Oppositionsführer, würden die Rechtssicherheit in Spanien grundlegend verändern.
Kritik an der Wohnungspolitik der Regierung
Feijóo nutzte die Veranstaltung, die gemeinsam mit dem andalusischen Regierungschef Juanma Moreno stattfand, zu einer umfassenden Abrechnung mit der Wohnungspolitik der amtierenden Regierung unter Pedro Sánchez. Er sprach von der „schlimmsten Wohnungskrise der Geschichte“ und verwies auf gestiegene Preise: Mieten seien um 45 Prozent, Kaufpreise um 74 Prozent gestiegen. Die Wohnkosten hätten sich demnach um 31 Prozent stärker entwickelt als die Löhne.
Der PP-Chef machte Sánchez persönlich für die Verschärfung der Lage verantwortlich. Das Thema sei von Rang 18 auf Platz eins der Probleme in Spanien aufgerückt. Zudem warf er der Regierung vor, zu wenig öffentlichen Wohnraum geschaffen zu haben. In diesem Zusammenhang kritisierte er auch den Umgang des Ministerpräsidenten mit dem Fall der älteren Frau Maricarmen Abascal, die nach einem Bericht über ihre Räumung öffentliche Aufmerksamkeit erhalten hatte. Feijóo behauptete, Sánchez habe deren Hilferuf ignoriert und den Vorgang instrumentalisiert.
Steuerliche Anreize für Vermieter und Mieter
Als Kernstück seiner Wohnungspolitik präsentierte Feijóo ein Modell steuerlicher Vergünstigungen. Dieses sieht vor, sowohl Mietern als auch Vermietern finanzielle Anreize zu bieten, sofern Mietverträge über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren verlängert werden und die vereinbarten Mieterhöhungen unter der Inflationsrate liegen. Feijóo sprach in diesem Zusammenhang von einem „Steuervertrag“, der sowohl Eigentümern Sicherheit als auch Mietern Planbarkeit bieten solle.
Das Kalkül dahinter: Mehr Rechtssicherheit für Vermieter führe zu einem größeren Angebot auf dem Mietmarkt, was wiederum die Preise für Mieter sinken lasse. Diese Logik müsse an die Stelle einer Politik treten, die Eigentümer und Mieter gegeneinander aufbringe.
Härteres Vorgehen gegen Hausbesetzung
In der Debatte um Hausbesetzungen bezog Feijóo klar Stellung. Er wolle „volle Sensibilität“ für rechtstreue Bürger und „volle Härte“ gegenüber sogenannten Jetas, also Personen, die auf Kosten anderer leben. Die Achtung des Privateigentums sei eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Gemeinwesen. Derzeit, so Feijóo, herrsche unter Eigentümern Angst, da bereits ein Lieferschein einer Pizza ausreiche, um eine Räumung über Jahre hinauszuzögern. Diese Praxis soll unter einer PP-Regierung beendet werden.
Entlastung für junge Käufer angekündigt
Ein weiterer Schwerpunkt der Rede galt der Unterstützung junger Menschen beim Immobilienerwerb. Feijóo kündigte an, diese Gruppe werde im Falle eines Wahlsiegs die „größte Hilfe der Geschichte“ erhalten. Vorgesehen seien staatliche Bürgschaften in Höhe von 100 Prozent des Kaufpreises sowie eine Reduzierung der Grunderwerbssteuer (ITP) und der Mehrwertsteuer (IVA) um 60 Prozent. Käufer unter 40 Jahren sollen demnach beim Ersterwerb einer Immobilie vollständig von der Steuerzahlung befreit werden; die Steuerschuld soll bis zum Ende der Hypothekenlaufzeit gestundet werden.
Zur Veranschaulichung rechnete Feijóo vor, dass ein junger Käufer einer Wohnung im Wert von 250.000 Euro nach fünf Berufsjahren bis zu 25.000 Euro an Steuern sparen und 50.000 Euro weniger für die Hypothekenunterschrift benötigen könnte. Ergänzend verwies er auf das Konzept einer „Hucha Hogar Joven“ – einem Bausparmodell für unter 40-Jährige, bei dem Einzahlungen steuerlich absetzbar und Renditen abgabenfrei sind.
Appell an Demonstrierende und Ausbaupläne
Mit Blick auf die jüngsten Proteste, darunter die Besetzung der Puerta del Sol in Madrid, richtete Feijóo einen Appell an die Demonstrierenden. Das Ziel seiner Politik sei es, dass Menschen, die derzeit auf der Straße protestierten, am Ende der Legislaturperiode eine angemessene Wohnung hätten. Man biete Wohnraum an, während die politische Linke die Menschen auf die Straße treibe. Als konkretes Ziel nannte er den Bau von einer Million Wohnungen in der kommenden Legislaturperiode.
Um dieses Vorhaben umzusetzen, kündigte Feijóo an, die erste Konferenz der Ministerpräsidenten der Autonomen Gemeinschaften unter seiner Führung dem Thema Wohnen zu widmen. Zudem solle die Vereinigung der spanischen Gemeinden und Provinzen (FEMP) eingebunden werden, um Bürgermeister in die Aufgabe einzubeziehen, Bauvorhaben zu beschleunigen. Die geplante Bodengesetzreform sieht vor, sämtliche verfügbaren Flächen zu mobilisieren und Verwaltungsverfahren zu straffen. Ein zentrales Element ist die Einführung einer positiven Genehmigungsfiktion: Bauanträge sollen nach 90 Tagen als genehmigt gelten, wenn die Behörde nicht reagiert.
Die Ankündigungen erfolgten vor dem Hintergrund des Rücktritts der PSOE-Sprecherin Montse Mínguez, die wegen der Immobilienaktivitäten ihres Partners zurückgetreten war. Feijóo wertete diesen Vorgang als Beleg für eine verfehlte politische Agenda der Regierungspartei.
Europa Press berichtete am 21. Oktober über die Veranstaltung in Sevilla.
Quelle: europapress.es