
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Fast 66.000 junge Andalusier in Behandlung
Rekordwerte bei psychischer Versorgung von Minderjährigen
Die psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen in Andalusien nehmen weiter zu. Wie aus einem aktuellen Bericht des Observatoriums für Kindheit und Jugend der Region hervorgeht, wurden im Jahr 2024 insgesamt 65.915 Personen unter 19 Jahren in den öffentlichen Einheiten für psychische Gesundheit behandelt. Das entspricht einem Anstieg von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und sogar einem Plus von 46,5 Prozent seit 2018.
Die Zahlen stammen aus dem Papier „Zustand der Gesundheit und Lebensgewohnheiten“, das im September veröffentlicht wurde. Wichtig ist dabei: Es handelt sich um Behandlungsfälle, nicht um eine Schätzung aller jungen Menschen mit psychischen Problemen in der Region.
Gefühlte Einsamkeit und wirtschaftliche Unterschiede
Doch die Statistiken zeigen auch subjektive Belastungen: Laut der HBSC-Studie von 2022 gaben 18,6 Prozent der befragten Andalusier zwischen 11 und 18 Jahren an, sich in der Woche zuvor sehr traurig gefühlt zu haben. Fast jeder neunte Jugendliche (11,5 Prozent) fühlte sich im letzten Jahr überwiegend einsam. Diese Angaben beschreiben emotionale Zustände, keine klinischen Diagnosen.
Besonders deutlich wird der Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Wohlbefinden: In Familien mit geringem Einkommen berichteten 30,9 Prozent der Jugendlichen von starker Einsamkeit – das sind elf Prozentpunkte mehr als bei Gleichaltrigen aus finanziell besser gestellten Haushalten. Für den Verband Salud Mental Andalucía sind diese Daten ein Beleg dafür, dass Hilfsangebote gezielter dorthin kommen müssen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
Appell für mehr Gehör und bessere Strukturen
Anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit am 10. Oktober fordert die Organisation unter dem Motto „Mach Match mit deiner psychischen Gesundheit“ ein gesellschaftliches Umdenken. Es reiche nicht, nur Therapien anzubieten. Nötig seien klarere Protokolle zur Früherkennung, bessere Schulungen für Lehrkräfte und Gesundheitspersonal sowie ein reibungsloser Übergang von der Akutbehandlung zur Nachsorge.
Der Vorsitzende Manuel Movilla betont, wie wichtig es sei, jungen Menschen zuzuhören, wenn sie sich öffnen: „Wenn jemand den Mut findet zu sagen, dass es ihm schlecht geht, müssen wir da sein – ohne zu urteilen und mit ernsthafter Hilfe.“ Jugendliche mit eigenen Erfahrungen sollen künftig stärker in die Gestaltung von Hilfsangeboten einbezogen werden.
Bildung und Lebensumfeld als Schlüssel
Konkret schlägt der Verband die Einführung eines Schulfachs „Emotionale Bildung“ vor, das altersgerecht den Umgang mit Gefühlen, Konflikten und sozialen Beziehungen vermittelt. Gleichzeitig müsse verhindert werden, dass Kinder zu schnell diagnostiziert oder ihr Leid verharmlost wird.
Auch strukturelle Faktoren spielen eine Rolle: Wohnungsnot, prekäre Jobs und Gewalterfahrungen belasten junge Menschen zusätzlich. Deshalb fordert Salud Mental Andalucía eine Verzahnung von Gesundheitspolitik mit Maßnahmen für bezahlbaren Wohnraum und faire Arbeit. Der im Mai 2026 verabschiedete regionale Strategieplan für psychische Gesundheit müsse nun mit ausreichend Personal und klaren Zeitvorgaben umgesetzt werden – inklusive öffentlicher Erfolgskontrolle für alle acht Provinzen. Wie das Portal AxarquíaPlus berichtet, soll damit die Versorgung überall verbessert werden.
Quelle: axarquiaplus.es