
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Fast 10.000 Anzeigen wegen Gewalt gegen Frauen
Deutlicher Anstieg bei Gewaltdelikten
Die Justizbehörden in der Autonomen Gemeinschaft Madrid haben im Zeitraum von März bis Juni dieses Jahres eine deutliche Zunahme registrierter Fälle von Gewalt gegen Frauen verzeichnet. Wie aus dem jüngsten Quartalsbericht des Generalrats der Justizgewalt (CGPJ) hervorgeht, gingen bei den spezialisierten Gerichten insgesamt 9.988 Anzeigen ein. Dies entspricht einem Anstieg von 24,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem 7.996 Fälle dokumentiert wurden.
Parallel dazu stieg die Zahl der betroffenen Frauen, die in den Anzeigen als Opfer geführt werden, auf 8.818. Das ist ein Zuwachs von 25,8 Prozent gegenüber den 7.011 betroffenen Frauen im zweiten Quartal des Vorjahres.
Schutzanordnungen und gerichtliche Maßnahmen
Im Berichtszeitraum wurden 1.636 Anträge auf Schutzanordnungen gestellt, was einem Plus von 6,8 Prozent entspricht. Die Gerichte gaben 772 dieser Anträge statt, eine Steigerung um 11,2 Prozent. Damit wurde fast jede zweite beantragte Schutzanordnung (47,18 Prozent) erlassen, ein Anstieg von 1,88 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Gerichte verhängten zudem 1.730 strafrechtliche Schutzmaßnahmen, die sich aus den Schutzanordnungen und weiteren Eilentscheidungen ableiteten. Am häufigsten wurden dabei Kontaktverbote (636 Fälle) und Kommunikationsverbote (608 Fälle) ausgesprochen. Darüber hinaus wurden 622 zivilrechtliche Schutzmaßnahmen mit dem Ziel des viktimologischen Schutzes angeordnet.
Herkunft und Verfahrensbeteiligung
Wie der Statistische Dienst des CGPJ für das Observatorium gegen häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt weiter ausführt, bleibt der Anteil spanischer Opfer mit 56 Prozent konstant. Der Anteil ausländischer Frauen liegt bei 43,98 Prozent. Auffällig ist die Entwicklung bei minderjährigen Opfern, die unter der Vormundschaft oder Obhut der betroffenen Frau stehen: Hier wurden 18 Fälle erfasst, dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum.
In der überwiegenden Mehrheit der Fälle – konkret in 7.778 Anzeigen, also 78 Prozent – erstattete die betroffene Frau selbst Anzeige, entweder direkt beim Gericht oder auf einer Polizeidienststelle. Anzeigen aus dem unmittelbaren Umfeld der Opfer gingen mit 90 Fällen deutlich zurück und machen nunmehr nur noch 0,90 Prozent der Gesamtzahl aus (Vorjahr: 1,30 Prozent). Weitere 1.437 Anzeigen (14,38 Prozent) beruhten direkt auf polizeilichen Ermittlungsberichten, 456 auf ärztlichen Attesten und 227 auf Meldungen von Hilfsdiensten.
Verzicht auf Aussage bei jedem achten Fall
Ein bemerkenswerter Aspekt der Statistik ist die hohe Zahl der Frauen, die von ihrem Recht Gebrauch machten, die Aussage gegen den Beschuldigten zu verweigern. Insgesamt 1.146 Frauen – das entspricht 13 von 100 Opfern – nahmen diese sogenannte Dispensregelung in Anspruch. Diese Quote liegt nahezu unverändert zum Vorjahreswert von 12,66 Prozent.
Überdurchschnittliche Rate in Madrid
Die Opferrate für geschlechtsspezifische Gewalt wird vom CGPJ auf Basis von 10.000 Einwohnerinnen berechnet. Der nationale Durchschnitt liegt demnach aktuell bei 20,0 betroffenen Frauen. Madrid verzeichnet mit 23,8 einen Wert oberhalb dieses Mittels, bleibt aber hinter Spitzenreiter Balearen mit 29,4 sowie der Valencianischen Gemeinschaft mit 23,9 zurück. Die niedrigsten Raten weisen die Regionen La Rioja (11,2) und Kastilien-León (12,2) auf.
Im Berichtszeitraum wurden von den Instanzgerichten der Region insgesamt 1.357 Urteile in Verfahren wegen Gewalt gegen Frauen gefällt. In 85,8 Prozent dieser Fälle lautete das Urteil auf Schuldspruch. Wie der CGPJ in seinem Bericht weiter mitteilt, war die Partnerbeziehung im Moment der Antragstellung in 48,6 Prozent der Fälle noch aufrechterhalten.
Der Bericht basiert auf Daten, die vom Statistischen Dienst des Consejo General del Poder Judicial (CGPJ) für das Observatorio contra la Violencia Doméstica y de Género erstellt wurden und quartalsweise veröffentlicht werden. (Europa Press)
Quelle: europapress.es