Faschistische Drohgebärden vor der Sol-Acampada

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Faschistische Drohgebärden vor der Sol-Acampada

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Der 12. Oktober offenbart das gespaltene Spanien

Während Madrid den Nationalfeiertag mit militärischer Pracht feiert, brodelt es an der Puerta del Sol. Was als friedlicher Protest für das Recht auf Wohnen begann, wird am Nachmittag zum Schauplatz offener Konfrontation. Die Botschaft der Gegenprotestierenden ist eindeutig – und sie ist nicht nur gegen die Acampada gerichtet, sondern gegen jede Form von zivilem Ungehorsam.

Konfrontation mit Ansage

Schon am Vormittag, direkt nach Ende der Militärparade, ziehen Gruppen mit Flaggen der Falange und der Bourgogne-Kreuze die Carrera de San Jerónimo hinauf. Ihre Mission: die Wohnungsprotestierenden in die Enge zu treiben. Die Polizei muss einen Kordon bilden, um Schlimmeres zu verhindern. Doch die Provokationen gehen weiter – "A por ellos", "rot ist, wer nicht hüpft", dazu Hitlergrüße und fliegende Eier. Die Acampada antwortet mit Hohn: "Denkt daran, morgen ist Schule" – ein Verweis auf das auffallend junge Alter der Provokateure.

Die Situation eskaliert gegen 14:50 Uhr: Die Nationalpolizei räumt die Straße Espoz y Mina – unter Applaus der verbliebenen Aktivisten. Doch die Konterrevolution gibt nicht auf. Am Nachmittag versuchen dieselben Gruppen erneut, über die Calle Preciados zur Puerta del Sol vorzudringen. Wieder muss die Polizei eingreifen, wieder bleibt es bei einem fragilen Patt.

Ein warnendes Zeichen für die Demokratie

Man mag über die Wohnungsproteste denken, wie man will. Aber wer am Nationalfeiertag faschistische Symbole zeigt und Gegendemonstranten mit Gewalt droht, hat jedes Recht auf Gehör verwirkt. Die spanische Hauptstadt zeigt an diesem Tag ihr hässlichstes Gesicht: Das Erbe Francos ist nicht vergangen, es ist nur schlafend – und es erwacht immer dann, wenn soziale Bewegungen die etablierte Ordnung infrage stellen.

Die Nutzung der Bourgogne-Kreuz-Flagge, historisch das Symbol der Franco-Armee und der Falange, ist keine folkloristische Reminiszenz. Sie ist eine Drohung. Wer sie heute hisst, stellt sich bewusst gegen die demokratischen Grundwerte des Landes. Dass die Polizei die Gruppen nicht auflöst, sondern lediglich separiert, ist ein Armutszeugnis – und ein gefährlicher Präzedenzfall. Wie die Tageszeitung El País in ihrer Berichterstattung hervorhebt, bleibt die Frage offen, warum die Behörden bei offenkundig faschistoiden Symbolen nicht konsequenter durchgreifen.

Die Bilanz des 12. Oktober 2026: ein Land, das sich in der Identitätskrise befindet. Auf der einen Seite eine Bewegung, die schlicht ein Dach über dem Kopf fordert – auf der anderen Seite Menschen, die den Nationalfeiertag für politische Einschüchterung instrumentalisieren. Wer hier glaubt, Neutralität wahren zu können, verkennt die Dimension der Bedrohung. Die Acampada ist nicht das Problem. Das Problem steht mit dem Arm in der Höhe.


Quelle: europapress.es

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