Fan-Protest stoppt Rayo gegen Athletic

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Fan-Protest stoppt Rayo gegen Athletic

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Spiel, das keiner sah: Protest eskaliert in Vallecas

Es sollte der Tag der Rückkehr sein, der erste Heimauftritt der Saison. Doch was sich am Samstagnachmittag im Estadio de Vallecas abspielte, war kein Fußballfest, sondern ein Tribunal. Nach nur 13 Minuten war Schluss mit dem Spiel zwischen Rayo Vallecano und Athletic Club – nicht wegen eines Fouls oder einer Taktikänderung, sondern weil die eigene Anhängerschaft den Platz zur Bühne eines Aufstands machte.

Die Szene: Papierflieger als Waffe der Ohnmacht

Als sich die Athletic-Profis bereit machten, eine Ecke auszuführen, hagelte es nicht nur Pfiffe, sondern ein regelrechtes Sperrfeuer aus Papierfliegern und Bällen. Im Gepäck der Protestierenden: ein Banner, das es in sich hatte – „Presa, la pelota está en tu tejado“ (Presa, der Ball liegt bei dir). Die Botschaft war unmissverständlich, der Adressat klar: Präsident Raúl Martín Presa. Schiedsrichter Sánchez Martínez unterbrach die Partie, rief die Kapitäne zusammen, die Ordner räumten das Feld. Doch die Botschaft der Ränge war nicht zu übersehen: „Presa, vete ya“ – geh endlich.

Nach einer halben Stunde Unterbrechung schien eine Fortsetzung möglich. Vergeblich. Kaum war der Ball wieder im Spiel, füllte sich der Strafraum erneut mit Gegenständen. Die Geduld des Unparteiischen war am Ende, die Polizei riet zur Vernunft, und Trainer Beñat San José und Edin Terzic wurden informiert: Das Spiel ist beendet. Was blieb, war ein surrealer Abgang. Die Fans applaudierten ihren Spielern und skandierten sogar „Athletic, Athletic“ – eine Geste des Respekts für die Gäste, die Verständnis zeigten. Im Stadion hallte es danach: „Rayo sí, Presa no“.

Mehr als nur ein Spielabbruch: Ein Verein am Abgrund

Doch wer glaubt, dies sei eine spontane Entgleisung, irrt gewaltig. Der Samstag war das erste Heimspiel in Vallecas nach einem erbitterten Streit mit der Comunidad de Madrid. Erst Ende Juli hatte die Region die Konzession für das Stadion entzogen – eine von Oktober an laufende Auditierung hatte erhebliche Mängel bei Sicherheit, Hygiene und Instandhaltung offengelegt. Die Folge: Rayo musste seine Heimspiele im 70 Kilometer entfernten Leganés, im Estadio Butarque, austragen. Der Gang zurück in die Heimat war also längst kein Grund zur Freude, sondern eine emotionale Hängepartie, die nun in diesem Eklat gipfelte.

LaLiga spielt die Empörten – und übersieht die Wurzel des Übels

Die Reaktion der Liga fiel erwartbar aus: Man verurteilte die Vorfälle „aufs Schärfste“, sprach von Gefahr für die Sicherheit – und kündigte an, einen neuen Spieltermin zu suchen. Schön und gut. Aber diese Empörung wirkt seltsam hohl, wenn man bedenkt, dass sich der Unmut der Fans nicht aus dem Nichts speiste. Es geht um Missmanagement, um eine entfremdete Klubführung, um ein Stadion, das behördlicherseits als Sicherheitsrisiko eingestuft wurde. Statt einer Debatte über die Verantwortung des Vereinspräsidenten liefert LaLiga eine Standardfloskel. Dieser Abbruch ist nicht bloß ein Spielabbruch – es ist das laute Symptom einer tiefen Vereinskrise, die auf Rängen ausgetragen wird, weil die dafür Zuständigen offenbar nichts zu sagen haben. Die Liga aber beruhigt sich mit einem Verweis auf die „Sicherheit“ – als ob man damit das eigentliche Problem aus dem Stadion fegen könnte. Das wird nicht das letzte Kapitel dieser Geschichte sein. Die Frage ist nur, wie lange die Fans noch auf dem Platz protestieren müssen, bis die Verantwortlichen endlich den Ball aufnehmen.

Quellen: Europapress, LaLiga-Statement


Quelle: europapress.es

Mehr aus Madrid