
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Euskadi pocht auf Macht für Regionen
Brüssel-Reise mit Grundsatzprogramm
Der baskische Ministerpräsident Imanol Pradales wird am Mittwoch zu seinem vierten Arbeitsbesuch in der belgischen Hauptstadt erwartet. Wie die Sprecherin der Regionalregierung, Maria Ubarretxena, nach der wöchentlichen Kabinettssitzung in Vitoria-Gasteiz mitteilte, steht die Reise im Zeichen eines zentralen Anliegens: der Aufwertung von Regionen und Nationen ohne staatliche Souveränität im europäischen Entscheidungsgefüge.
Neben dem Vorantreiben der sogenannten Makroregion Atlantik will Pradales für ein "starkes Zusammenhaltsgefüge" werben. Konkret geht es um die künftige Ausgestaltung der EU-Kohäsionspolitik im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen für die Jahre 2028 bis 2034. Die baskische Exekutive pocht darauf, dass regionale Gebietskörperschaften nicht nur als Empfänger von Fördermitteln, sondern als aktive Gestalter in die Programmplanung eingebunden werden.
Votum über wegweisendes Gutachten
Der Höhepunkt des Aufenthalts ist für den Nachmittag geplant, wenn das Plenum des Europäischen Ausschusses der Regionen über ein von Euskadi maßgeblich ausgearbeitetes Gutachten zur Makroregion Atlantik abstimmt. Die Sitzung fällt in die Europäische Woche der Regionen und Städte. Das Papier versteht sich als Beitrag zu einer künftigen EU-Strategie, die eine engere Zusammenarbeit der atlantisch gelegenen Gebiete ermöglichen soll – von der industriellen Wettbewerbsfähigkeit über Konnektivität bis zur Anpassung an den Klimawandel.
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr: Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten die Europäische Kommission im Dezember 2025 aufgefordert, bis Juni 2027 eine Makroregionalstrategie für den Atlantik auszuarbeiten. Pradales’ Regierung betrachtet das Gutachten als entscheidenden Schritt, um die Weichen für eine "Governance mit mehreren Ebenen" zu stellen. Diese solle sicherstellen, dass Regionen, lokale Behörden und auch Akteure wie Universitäten und Handelskammern künftig mitreden können – und nicht nur die Mitgliedstaaten.
Ein Treffen mit Brüsseler Gewicht
Vor der Abstimmung steht ein Gespräch mit Raffaele Fitto auf der Agenda. Der italienische Kommissar ist als Exekutiv-Vizepräsident für Kohäsion und Reformen zuständig. Bei dem Treffen dürfte es um die Ausgestaltung der Fördertöpfe nach 2027 gehen.
Die baskische Seite will dabei die Forderung nach eigenständigen, mit Finanzmitteln ausgestatteten Regionalkapiteln in den künftigen Kooperationsplänen untermauern. Darüber hinaus strebt die Autonomieregion an, bei der Aushandlung dieser Kapitel direkt mit der EU-Kommission zu verhandeln – ein Begehren, das auf dem eigenen Autonomiestatus und den damit verbundenen Kompetenzen fußt.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, ist es Pradales in seiner bisherigen Amtszeit bereits zum vierten Mal nach Brüssel. Die Termine im November 2024, Januar 2025 und März 2026 dienten nach Angaben der Regierung ebenfalls dazu, "die Stimme Euskadis an den Tischen zu verstärken, an denen über die Zukunft der Region entschieden wird".
Quelle: europapress.es