Europäisches Sonnenteleskop erhält Status als ESFRI-Wahrzeichen

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Andalusien

Europäisches Sonnenteleskop erhält Status als ESFRI-Wahrzeichen

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Wegweisende Entscheidung in Irland

Das European Solar Telescope (EST) ist offiziell als sogenanntes „Landmark" des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) anerkannt worden. Wie das Instituto de Astrofísica de Andalucía (IAA-CSIC) mitteilte, fiel die Entscheidung während der 97. Ratssitzung des Forums, die Ende September im irischen Cork stattfand.

Der neue Status markiert einen bedeutenden Fortschritt für das Großprojekt, das seit 2016 auf der ESFRI-Roadmap verzeichnet ist. Als Landmark gelten Einrichtungen, die entweder bereits vollständig betriebsbereit sind oder sich in einer weit fortgeschrittenen Umsetzungsphase befinden. ESFRI stuft sie als strategisch bedeutsam für den gesamten europäischen Wissenschaftsraum ein.

Einordnung in die europäische Astronomie-Landschaft

Innerhalb der Disziplin Astronomie reiht sich das EST damit in einen exklusiven Kreis ein. Die Roadmap des Forums umfasst dort bislang Schwergewichte wie das Cherenkov Telescope Array (CTAO) oder das Square Kilometre Array Observatory (SKAO). Das andalusische Institut, das die Koordination des EST übernommen hat, ist auch an diesen beiden Vorhaben wissenschaftlich und technologisch in erheblichem Umfang beteiligt.

Der Zuschlag durch ESFRI wertet das Projekt laut Projektkoordinator Manuel Collados als Bestätigung für die gelungene europäische Zusammenarbeit. „Keine Institution und kein Land allein könnte eine Infrastruktur dieses Zuschnitts stemmen", wird Collados in der Mitteilung zitiert. Nach dem erfolgreichen Statuswechsel gehe es nun darum, aus dem gemeinsamen wissenschaftlichen Anspruch verbindliche Zusagen für den Baubeginn abzuleiten.

Technologische Pionierarbeit mit deutscher Beteiligung

Hinter dem Vorhaben steht eine internationale Konsortialstruktur. Die Federführung liegt in Spanien, wo sich das Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) und der staatliche Forschungsrat CSIC die Verantwortung teilen. Beide Institutionen gehören der 2023 gegründeten EST-Stiftung an, der insgesamt zehn Einrichtungen aus sieben europäischen Ländern angehören.

Die anvisierte Technik des Teleskops gilt als ambitioniert. Neben einem Hauptspiegel von 4,2 Metern Durchmesser sind neuartige Instrumente erforderlich, die in dieser Form bislang nicht existieren. „EST plant nicht nur den Bau des größten Sonnenteleskops der Welt, sondern auch die Entwicklung von Instrumenten der nächsten Generation", erläutert Luis Bellot, EST-Verantwortlicher am IAA-CSIC. Drei der sieben Instrumente für die erste Beobachtungsphase werden von einem internationalen Konsortium entwickelt, das vom IAA-CSIC geleitet wird. Unterstützung kommt dabei vom spanischen Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Hochschulen.

Ein Fenster zur Sonnenatmosphäre

Errichtet werden soll das Teleskop am Observatorium Roque de los Muchachos auf der Kanareninsel La Palma. Seine Konstruktion ist darauf ausgelegt, die Sonnenatmosphäre gleichzeitig in verschiedenen Höhen und Wellenlängenbereichen zu beobachten. Ziel ist es, die Entstehung von Magnetfeldern an der Sonnenoberfläche zu verfolgen und deren Energietransport in höhere Atmosphärenschichten zu untersuchen. Diese Prozesse gelten als grundlegend für das Verständnis solarer Aktivität und der Mechanismen hinter Sonneneruptionen.

Die gewonnenen Daten sollen die Messungen von Weltraummissionen ergänzen. Forscher versprechen sich daraus präzisere Einblicke in die Phänomene, die das Weltraumwetter im Umfeld der Erde beeinflussen. Darüber hinaus könnte das Teleskop Erkenntnisse liefern, die über das Sonnensystem hinausreichen: Die Sonne ist der einzige Stern, dessen Oberfläche sich derart detailliert beobachten lässt. Die Ergebnisse könnten daher auch zum Verständnis des Magnetismus massearmer Sterne und der Bewohnbarkeit ihrer Planeten beitragen.


Quelle: europapress.es

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