Europas erste Nierentransplantation mit Einzelinzision

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Barcelona

Europas erste Nierentransplantation mit Einzelinzision

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Revolutionäre OP-Technik in Barcelona

Das Universitätskrankenhaus Bellvitge in L'Hospitalet de Llobregat hat einen medizinischen Meilenstein gesetzt: Im September führten die Chirurgen dort die erste Nierentransplantation Europas mit einem Roboter durch, der nur einen einzigen Schnitt benötigt. Bislang war dieses Verfahren ausschließlich im Cleveland Clinic in den USA angewendet worden. Wie das Krankenhaus am Mittwoch mitteilte, wurden seitdem drei weitere Transplantationen mit derselben Methode erfolgreich durchgeführt.

Der Eingriff im Detail

Bei der herkömmlichen robotergestützten Operation mit dem sogenannten Multiport-System sind neben dem Hauptschnitt drei bis vier zusätzliche Inzisionen von acht Millimetern bis zu einem Zentimeter Länge sowie zwei weitere von acht bis zwölf Millimetern erforderlich. Das neue Verfahren kommt mit einer einzigen Öffnung von sieben Zentimetern aus. Der dabei verwendete Roboter Da Vinci SP kann über eine Konsole gesteuert werden und ermöglicht Bewegungen in einem 360-Grad-Winkel. Eine integrierte 3D-Optik liefert laut den Verantwortlichen ein besonders klares Bild des Operationsfelds.

Vorteile für die Patienten

Francesc Vigués, Leiter des Transplantationsprogramms, betonte den "klaren Nutzen" der neuen Technik. Die Patienten hätten ein geringeres Risiko für Komplikationen, litten unter weniger postoperativen Schmerzen und erholten sich schneller. Besonders für Menschen mit Atemwegserkrankungen sei der Eingriff komfortabler. Allerdings kommt die Einzelinzision nicht für alle Patienten in Frage. Entscheidend sind die anatomischen Gegebenheiten und die Beschaffenheit des Spenderorgans. Vigués schätzt, dass von den jährlich etwa 50 Transplantationen mit robotergestützter Chirurgie künftig 20 bis 25 mit der neuen Methode durchgeführt werden könnten.

Lebendspende als optimale Lösung

Anna Manonelles, Leiterin des Programms für Lebendspende-Nierentransplantation, hob hervor, dass die Übertragung von Nieren lebender Spender die beste Therapieoption bei Nierenerkrankungen darstellt. Wird die Operation frühzeitig durchgeführt, kann eine Dialyse vermieden werden. Die Haltbarkeit der Organe ist bei Lebendspenden deutlich höher: Während Nieren von verstorbenen Spendern kürzer halten, können transplantierte Nieren von Lebenden zehn bis fünfzehn Jahre funktionieren.

Die erste Patientin

Die erste Patientin, die mit der neuen Technik operiert wurde, ist die 58-jährige Sílvia. Bei ihr war vor zehn Jahren eine polyzystische Nierenerkrankung diagnostiziert worden. Es entwickelte sich auch eine Leberbeteiligung. Trotz einer guten Lebensqualität zeigten regelmäßige Kontrollen eine stetig abnehmende Nierenfunktion. Ihr Ehemann spendete das Organ – für Sílvia eine Entscheidung, der sie erst nach intensiver Überlegung zustimmte. Nach neun Tagen im Krankenhaus berichtete sie von einer überraschend schnellen Genesung: „Die Erholung war viel besser als erwartet. Ich habe kaum Schmerzen gespürt und bin körperlich wieder fast bei hundert Prozent.“

Die Erfolge der neuen Methode könnten die Transplantationsmedizin in Europa nachhaltig verändern. Experten sehen großes Potenzial, die Technik auch auf andere Eingriffe auszuweiten. Wie das Krankenhaus mitteilte, werden die Ergebnisse nun wissenschaftlich dokumentiert, um die Anwendungsmöglichkeiten weiter zu präzisieren. Die Europäische Gesellschaft für Transplantation hat das Verfahren bereits als richtungsweisend bezeichnet – ganz im Sinne der immer häufiger geforderten minimalinvasiven Chirurgie, die den Patienten den Krankenhausaufenthalt erheblich erleichtert. Die Entwicklung zeigt, dass Spanien in der robotergestützten Transplantationsmedizin eine führende Rolle einnimmt.


Quelle: europapress.es

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