
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Estopa gräbt seine Anfänge wieder aus
Ein musikalisches Fossil wird lebendig
Während die Musikindustrie längst im Stream-Zeitalter angekommen ist, zieht es Estopa plötzlich zurück ins letzte Jahrtausend. Die Brüder Muñoz haben eine Schatztruhe aus dem Keller geholt – und die Fans dürfen sich auf ein Wiedersehen mit Songs freuen, die nie das Tageslicht der Veröffentlichung erblickt haben. Das neue Album „La Maketa“ erscheint am 20. November und ist mehr als nur eine Retro-Nummer: Es ist die dokumentierte Frühphase einer der erfolgreichsten Pop-Rock-Bands des Landes.
Vom Staub der Jahre zur Stadionbühne
Was wie eine nostalgische Fingerübung klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als cleverer Schachzug. Die zwölf Tracks, darunter sieben echte Raritäten aus der Zeit zwischen 1996 und 1998, sind keine lieblos zusammengewürfelten Reste. Es sind die Songs, die damals den Grundstein für den unverwechselbaren Estopa-Sound legten – lange bevor das Debütalbum 1999 alles veränderte.
Wie die Brüder bei der Präsentation an der Universität Barcelona erzählten, war es die Mutter, die beim Aufräumen die legendäre „Maqueta madre“ wiederfand. Dieser Fund kommt einem musikalischen Archaeologie-Projekt gleich: Die Songs wurden in einer Zeit aufgenommen, als Estopa noch nicht wusste, dass aus ihren Garagenaufnahmen einmal Stadionkonzerte werden würden. Dass ausgerechnet eine öffentliche Bildungseinrichtung als Kulisse diente, ist kein Zufall – die Band versteht sich als Produkt des sozialen Aufstiegs durch Bildung.
Ein Doppelpack mit Überraschungseffekt
Die Plattenfirma Sony setzt bei der Vermarktung auf ein Konzept, das an die großen Box-Sets der Rockgeschichte erinnert. Die erste CD enthält sieben unveröffentlichte Stücke aus den frühen Jahren sowie drei Songs, die zwar aus derselben Ära stammen, aber nie Teil der ursprünglichen Aufnahmesessions waren. Die zweite CD präsentiert die rohen Demoversionen – vom Heimstudio bis zum professionellen Produktionsstudio. Ein Ansatz, der Puristen ebenso anspricht wie Sammler, die auf die Deluxe-Box mit Vinyl, Kassette und Begleitbuch warten.
Der Soundtrack für den Sommer 2027
Doch das eigentliche Highlight ist die Ankündigung einer Mini-Tournee durch vier spanische Metropolen. Zwischen Juni und Juli 2027 wollen David und Jose ihre alten und neuen Fans in Valencia, Barcelona, Sevilla und Madrid begrüßen. Die Wahl der Spielstätten ist bezeichnend: Es geht nicht um Clubs oder mittelgroße Hallen, sondern um die großen Fußballtempel des Landes.
Wer sich die begehrten Tickets sichern möchte, sollte den 17. November im Kalender markieren. Ab 22.22 Uhr startet der allgemeine Verkauf – die Zahl spielt auf das Gründungsjahr 1999 an. Wer das Album vorbestellt, erhält einen exklusiven Zugangscode und kann sich die Tickets bereits 24 Stunden früher sichern. Ein geschickter Schachzug der Marketingabteilung, der die Fanbase zusätzlich beflügeln dürfte.
Die Fragen der Zukunft
Während die spanische Presse bereits über die Details der Tour spekuliert, bleibt eine Frage offen: Wird es auch eine Lateinamerika-Tour geben? Auf der Pressekonferenz ließen sich die Brüder nicht in die Karten schauen, deuteten aber an, dass für Ende 2027 Optionen geprüft werden. Mit einem Augenzwinkern versprach David: „Nach Amerika kommen wir natürlich.“
Dass die Ankündigung ausgerechnet im Oktober kommt, ist kein Zufall. Am 18. Oktober, dem Tag, den Fans längst zur „Estopidad“ erklärt haben, startet die Vorbestellung – exakt 27 Jahre nach der Veröffentlichung des Debütalbums. Es scheint, als hätten die Brüder aus Cornellà ein Gespür für symbolträchtige Daten entwickelt. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Magie der alten Aufnahmen auch das neue Jahrzehnt überträgt.
Quelle: Europapress
Quelle: europapress.es