Ein Film gegen das Wegschauen

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Málaga

Ein Film gegen das Wegschauen

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Eine Lektion in Sachen Menschlichkeit

Yann Samuell ist ein Filmemacher mit einer Mission. Sein neuester Film „Compostelle" feierte am Montag in Málaga Premiere – und ist weit mehr als bloße Unterhaltung. Der französische Regisseur stellt eine unbequeme Frage, die viele lieber ignorieren würden: Was tun wir eigentlich mit jungen Menschen, die in Armut, Ausgrenzung oder Gewalt aufwachsen? Sehen wir sie als hoffnungslose Fälle – oder geben wir ihnen eine echte Chance? Samuells Film ist eine klare Ansage, und sie kommt genau richtig.

Vom Papier auf die Leinwand

Über eine Million Zuschauer haben den Film in Frankreich bereits gesehen. Jetzt bringt Samuell ihn nach Málaga, wo er vor über zwanzig Jahren mit „Jeux d'enfants" sein Debüt feierte. Die Rückkehr sei emotionale Nostalgie, aber kein Rückblick, betont der Regisseur: „Ich bin sehr, sehr glücklich, hier zu sein." Sein neues Werk erzählt die Geschichte von Fred und Adam – zwei Menschen am Rande, die auf dem Jakobsweg zueinander finden. Es geht um Vertrauen, Verletzlichkeit und die Chance auf einen Neuanfang.

Inspiration: Der Weg als Therapie

Samuell ließ sich von Seuil-Redakteurin Claire Rivière inspirieren. Die Initiative von Bernard Ollivier, bekannt als „Seuil", nutzt die lange Wanderung als Instrument der Reintegration. Der Regisseur hat die Erfahrungen der Teilnehmenden in den Film eingewoben und erzählt von seinen intensiven Gesprächen mit Ollivier: „Ich habe geweint, als ich seine Dokumentation darüber las. Ich wusste, ich muss diese Geschichten erzählen." Die Recherche habe sich ausgezahlt: „Ollivier hat mir geholfen, die tatsächliche Lebensrealität dieser Märsche zu verstehen – die Textur der Brüche und Wendepunkte."

Eine Frage der Etikettierung

Der Film trifft die Zuschauer dort, wo sie es nicht erwarten, und konfrontiert sie mit einer unbequemen Wahrheit: Sprache formt Identität. Samuell bringt es auf den Punkt: „Ein Jugendlicher, dem gesagt wird: ‚Du bist nichts wert, du bist ein Krimineller' – der wird genau das tun. Aber jemand, der hört: ‚Du hast Wert, du kannst Außergewöhnliches leisten' – der wird ebenfalls danach handeln." Der Regisseur fordert die Gesellschaft dazu auf, die eigenen Vorurteile zu hinterfragen, und „Compostelle" ist sein Mittel, um diese Diskussion zu provozieren. Ein Film, der einem im Gedächtnis bleibt – und das ist genau die Absicht.


Quelle: europapress.es

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