DNA entlarvt Täter und identifiziert Opfer

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

DNA entlarvt Täter und identifiziert Opfer

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Jahrelange Ermittlungen dank Erbgut-Analyse

Die Analyse des Erbguts ist in der spanischen Justiz zu einem stillen Begleiter geworden, der über Schuld oder Unschuld entscheidet. In der Autonomen Gemeinschaft Madrid führten genetische Profile in den vergangenen Jahren mehrfach zur Aufklärung schwerer Verbrechen – teils Jahrzehnte nach der Tat. Die Methode erfüllt dabei zwei zentrale Funktionen: Sie gibt anonymen Leichnamen eine Identität und widerlegt falsche Alibis von Verdächtigen.

Ein Paradebeispiel ist der Fall der verschwundenen Juana Canal. Die Frau aus dem Viertel Ciudad Lineal galt seit Februar 2003 als vermisst. Erst 2019 stießen Wanderer zufällig auf Schädel- und Oberschenkelknochen in der Provinz Ávila. Die genetische Analyse bestätigte Monate später: Die Überreste stammten von der Vermissten. Dieser Durchbruch ermöglichte es den Ermittlern, den Fall neu aufzurollen. Bei einer erneuten Suche im Oktober 2022 fanden Einsatzkräfte weitere Knochen am selben Ort. Kurz darauf nahm die Polizei den Ex-Partner von Juana Canal fest – ein Gericht verurteilte ihn später.

Kalte Fälle durch präzise Abgleiche geknackt

Auch im Fall von Francisco de Pablo Páez, besser bekannt als „Francis", spielte die Genetik eine Schlüsselrolle. Seine Leiche wurde in einer Klärgrube in Aldea del Fresno entdeckt – mehr als zwei Jahre nach seinem Verschwinden. Die Identifizierung gelang über die DNA-Analyse von zwei Zähnen.

Im aufsehenerregenden Prozess um den sogenannten „Rey del Cachopo" nutzten die Ermittler das Erbgut, um einen Torso in einem Koffer als die vermisste Heidi Paz zu identifizieren. Der Fall führte zu César Román, dem Ex-Partner der Frau. Die Verteidigung stellte die Identität des Leichnams jedoch infrage und berief sich auf abweichende körperliche Merkmale. Die genetische Untersuchung lieferte die entscheidende Antwort: Ein Abgleich mit einer Blutprobe der Mutter ergab eine Übereinstimmung von 99,9985 Prozent. Die Gutachter erklärten, es sei fünf Millionen Mal wahrscheinlicher, dass die Frau und die Getestete Mutter und Tochter sind, als bei zwei nicht verwandten Personen.

Kontaminationsrisiko: Lehren aus dem Fall Asunta

Die Genauigkeit der Methode hat jedoch ihre Grenzen – wie der Mordfall Asunta Basterra zeigt. Bei der Untersuchung des T-Shirts des zwölfjährigen Mädchens, das 2013 in Santiago de Compostela getötet wurde, tauchte ein männliches DNA-Profil auf. Es gehörte zu einem Mann, der in einem anderen Verfahren beschuldigt wurde. Die Spur entpuppte sich als Fehlalarm: Der Richter sah Anzeichen für eine Kontamination. Die Fragmente des T-Shirts waren offenbar mit derselben Schere zugeschnitten worden, die zuvor für die Bearbeitung eines beschlagnahmten Kondoms des Mannes benutzt worden war. Die Anklage gegen den Mann wurde fallengelassen.

Der Vorfall machte deutlich, wie sensibel die Kette von der Spurensicherung bis zum Labor ist. Die Wissenschaftliche Polizei sichert Blut, Speichel, Sperma oder Haare am Tatort. Jedes Beweisstück wird fotografiert, dokumentiert und separat verpackt. Erst dann gelangt es in das Labor für Forensische Genetik, wo die Experten das Profil erstellen und mit Vergleichsproben abgleichen. Die lückenlose Dokumentation der Beweiskette soll sicherstellen, dass die Ergebnisse vor Gericht Bestand haben.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, bleibt die DNA-Analyse damit ein zweischneidiges Schwert: mächtig genug, um jahrzehntelange Rätsel zu lösen, aber anfällig für menschliches Versagen, wenn die Regeln der Sorgfaltspflicht missachtet werden.


Quelle: europapress.es

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