
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Die Torturbande von Madrid
Die Staatsanwaltschaft fordert eine drakonische Strafe
Wer sich als Polizist ausgibt, um Menschen in ihrem eigenen Zuhause zu überfallen und zu foltern, hat jedes Recht auf Milde verwirkt. Genau das ist die klare Botschaft der Madrider Staatsanwaltschaft, die für ein Mitglied einer brutalen Einbrecherbande nicht weniger als 49 Jahre Haft fordert. Der Prozess gegen die Bande, die vor allem Villen im Großraum Madrid ins Visier nahm, beginnt an diesem Mittwoch vor der Audiencia Provincial.
Die Anklage liest sich wie das Drehbuch zu einem Horrorfilm – nur dass hier keine Schauspieler, sondern echte Opfer betroffen waren. Die Täter gingen mit einer Perfidie vor, die an militärische Spezialeinheiten erinnert: Sie observierten ihre Opfer, brachten GPS-Tracker an deren Fahrzeugen an und schlugen dann mit voller Wucht zu.
Ein Albtraum in Blau
Besonders perfide: Die Bande gab sich als Beamte der Sicherheitskräfte aus. Ausgestattet mit Polizeimarken, Westen mit Hoheitsabzeichen und täuschend echten Waffen hielten sie ihre Opfer an und erklärten sie kurzerhand für verhaftet. Eine Masche, die nicht nur funktionierte, sondern auch das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat gezielt missbrauchte. Wer zweifelt schon an der Legitimität eines vermeintlichen Polizeieinsatzes?
Die Bilanz ihrer Raubzüge zwischen Dezember 2022 und Februar 2023 ist erschütternd: In Rivas-Vaciamadrid erbeuteten sie 3.500 Euro samt Schmuck und einem Nerzmantel. In Arroyomolinos schlugen sie mit 42.000 Euro Beute zu, im benachbarten Villaviciosa de Odón mit weiteren 3.200 Euro. Doch das war nur das Vorspiel.
Die Nacht von Navalcarnero
Der Höhepunkt ihrer kriminellen Energie war ein Überfall am 22. Februar 2023, der jedes Menschlichkeitsmaß sprengte. Die Bande entführte einen Mann von der Straße, brachte ihn auf ein abgelegenes Anwesen in Navalcarnero und folterte ihn dort fast zwei Stunden lang. Mit Schlägen, Elektroschocks und gezielten Schlägen mit der Pistole auf den Kopf versuchten sie, das Versteck seines Geldes zu erfahren. Die Botschaft war eindeutig: Reden oder deine Familie büßt.
Als die Tortur nicht den gewünschten Erfolg brachte, drangen weitere Mitglieder der Bande in das Haus des Mannes ein. Unter dem Ruf „Polizei“ überwältigten sie die Lebensgefährtin und die beiden Kinder – vier und vierzehn Jahre alt. Was folgte, war eine Odyssee der Angst: Die Frau wurde mit vorgehaltener Waffe in den Mund bedroht, in den Kofferraum gesperrt und schließlich zur Folterfinca gebracht. Dort musste sie mit ansehen, wie ihr Partner blutend am Boden lag, während die Kinder die Hilferufe ihres Vaters aus einem dunklen Badezimmer hörten.
Die falschen Polizisten und ihre Beute
Am Ende ließen die Täter die Familie in Moraleja de Enmedio einfach am Straßenrand zurück – traumatisiert, verletzt und gedemütigt. Die Beute: 2.700 Euro und ein paar Schmuckstücke, die per Gutachten auf 3.400 Euro geschätzt wurden. Ein erbärmlicher Gewinn für ein derartiges Verbrechen.
Die Ermittler fanden bei Durchsuchungen ein Arsenal, das die kriminelle Energie der Bande dokumentiert: Batterieklemmen für Elektroschocks, Handschellen, Polizeimasken und sogar ein Schalldämpfer. Die Anklage wirft den Mitgliedern unter anderem schweren Raub, Entführung und Amtsanmaßung vor.
Es ist empörend, dass sich in einem Rechtsstaat wie Spanien Menschen als Polizisten ausgeben können, um Familien zu terrorisieren. Die Justiz ist nun gefordert, ein Exempel zu statuieren. Denn eines ist klar: Wer den Staat imitiert, um Verbrechen zu begehen, greift nicht nur seine Opfer an – er attackiert die Grundfesten unserer Gesellschaft.
Wie die Madrider Staatsanwaltschaft mitteilt, wird der Prozess vor der Audiencia Provincial in Madrid geführt, wo die Opfer als Zeugen aussagen müssen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie lange die Täter hinter Gittern verschwinden werden. 49 Jahre für einen Einzeltäter klingen hart – doch gemessen an der Brutalität der Taten sind sie geradezu angemessen.
Quelle: europapress.es